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Caliban - 2009-07-21
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Einst namhafter Verfechter der Schnittmenge aus Metal und Hardcore, gab es eine Zeit, in der viele von Caliban nichts mehr so recht wissen wollten, und das eben nicht in erster Linie aufgrund der Tatsache, dass die Band schlechter oder gar erfolgreicher geworden
wäre, sondern weil sie von einigen ihrer Nachzügler schlicht überholt wurde. Und dieser ungeheuren Sättigung sehen sich nun auch Caliban konfrontiert. Das rechte Mittel zur Überwindung einer solchen Misere haben Caliban mit den letzten Alben nicht wirklich finden können, mit "The Awakening" jedoch gelang dieser für die Band so immens wichtige Schritt.
"The Opposite From Within" war ein Anfang, "The Undying Darkness" dann eine denkbar schlechte Fortführung, der mit "The Awakening" dann jedoch in letzter Minute noch der rechte Drall verpasst wurde. Mit "Say Hello To Tragedy" begegnen Caliban dem gefürchteten Untergang des Genres nun mit den genau richtigen Waffen, denn hier wurde ein Album geschaffen, das die musikalische Vergangenheit der Band mit der Moderne, Melancholisches mit emotionalen Lichtblicken als auch brechend harte Metal-Passagen mit großartigen Melodien eint. Wir sprachen bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von "Say Hello To Tragedy" mit Andy Dörner über dessen Entstehung und die Pläne, die man mit Caliban nun noch verfolgen möchte:
SJM: Frage zu Anfang: Welchem Druck sieht man sich als Band ausgesetzt, wenn man schon solch Meilensteine wie "Vent" und "Shadow Heart" auf den Markt gebracht hat? Die Erwartungen an euch waren ja ein weiteres Mal schier unglaublich – wie seid ihr zu den Aufnahmen von "Say Hello To Tragedy" als Band damit umgegangen?
Andy Dörner / Caliban: Danke erst mal für die Blumen! Wir machen uns als Band keinen Stress bzw. setzen uns nicht unter Druck...Vielleicht jeder für sich, um sich selbst gerecht zu werden, aber ansonsten sehen wir das wie gesagt immer recht locker...
SJM: Es gab haufenweise Gerüchte, auf welchem Label ihr mit "Say Hello To Tragedy" landen würdet. Century Media haben dann schlussendlich das Rennen gemacht. Könntest du uns bitte kurz sagen, warum ihr euch für Century Media entschieden habt und welche Hoffnungen ihr an das Label knüpft?
Andy Dörner / Caliban: Es war damals schon so, dass es hieß: Roadrunner oder Century Media, damals hat Roadrunner das Rennen gemacht und da lag die Entscheidung ja fast schon auf der Hand...Abgesehen davon haben wir auch schon zur Awakening-Zeit mit Century Media in den Staaten zusammen gearbeitet...CM ist ein sehr gutes Label, welches bestimmt frischen Wind in unser Bandleben bringen wird...Die einzige Hoffung, die ich habe, wenn man das Hoffnung nennen kann, ist, dass wir lang und gut zusammen arbeiten werden...und endlich ist man wieder mit HSB in der selben Familie.
SJM: Metalcore ist ja seit geraumer Zeit ein sog. Trend oder Hype, bei dem ihr sicherlich die Vorreiter gewesen seid. Wie stellt sich die momentane 'musikalische Lage' für euch dar? Was denkt ihr, wenn ihr auf einmal Genrekollegen habt, die wie Pilze aus dem Boden zu sprießen scheinen? Ist das eine gesunde Entwicklung?
Andy Dörner / Caliban: Gesund ist das nicht bzw. ist es immer schlecht, wenn zu viele Bands der selben Art unterwegs sind...wie sagt man: zu viele Köche verderben den Brei : ) Aber abgesehen davon denke ich, dass der Hype eh schon langsam wieder um ist und einige Bands, die versucht haben, mit dem Hype zu gehen, gibt´s schon nicht mehr...am Ende bleiben die, die ehrlich sind und es ernst meinen. Wir wissen zumindest, was wir an unseren Fans haben und sind Ihnen dankbar für Ihren Support über all die Jahre. Danke !!!
SJM: Kommen wir zu "Say Hello To Tragedy". Rein textlich fällt ja ebenfalls auf, dass eure Songs dunkler und bedrückender als zuvor ausfallen. Würdet ihr dies unterschreiben? Bezieht sich der Titel vielleicht sogar auf ein übergeordnetes Konzept, für das die Platte steht?
Andy Dörner / Caliban: Zumindest sind sie bedrückender als die Texte von der Awakening, die ja ehr positiv gehalten waren...Textlich beziehe ich mich diesmal auch wieder auf den Titel der Platte und da der nicht gerade Happy Sunshine ist, sind die Texte es auch nicht. Unter anderem hab ich Themen aufgenommen, die wirklich passiert sind, wie z.b die Joseph Fritzl Geschichte, der seine Tochter 24 Jahre eingesperrt hat, Sie vergewaltigt hat und 6 Kinder mit Ihr gezeugt hat, KRANK!!! Einmal schreibe ich aus der Sicht der Tochter und einmal aus der Sicht der Kinder, die dort unten im Keller gezeugt wurden...damit versuch ich die Leute darauf aufmerksam zu machen, was es für kranke Leute in unserer Gesellschaft unter uns gibt und dass man vielleicht sein Umfeld auch mal versucht besser wahrzunehmen. Ansonsten sag ich den Leuten, dass man sein Leben ab und an mal genießen soll, da es schnell enden kann. Ich fordere auf zu mehr Toleranz, Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit...
SJM: Wo seht ihr speziell die musikalischen Unterschiede zwischen etwa "The Awakening" zum neuen Album "Say Hello To Tragedy"? Ich persönlich würde ja sagen, "Say Hello To Tragedy" ist weniger brachial und geht anstatt dessen mehr in die Tiefe und ist orchestraler als auch atmosphärischer angelegt. Was habt ihr mit diesem Album verwirklichen können, das mit den vorherigen Alben noch nicht möglich war?
Andy Dörner / Caliban: Ich finde die neue Platte düsterer und metallischer als den Vorgänger, aber eigentlich schon ähnlich brachial...Der Unterschied ist einmal, dass wir uns diesmal mehr Zeit für die Platte genommen haben und deswegen mehr ausprobieren konnten und auch ein paar Songs aussortieren konnten, das war beim Vorgänger z.b nicht möglich, da zu wenig Zeit war...zum anderen haben wir daran gearbeitet, die beiden Gesänge homogener zu bekommen, dass sie sich nicht immer so von einander absetzen, und ich denke, dass wir das gut hinbekommen haben...es gibt viele technische Spielereien, die wir eingebaut haben und zum ersten mal ein Gitarrensolo, man darf gespannt sein.
SJM: Wie lange habt ihr für das Songwriting der neuen Stücke gebraucht? Gab es da Änderungen in der Herangehensweise? Manche Songs hören sich im Vergleich zu Vorgängerwerken weitaus ausgetüftelter und vielschichtiger an.
Andy Dörner / Caliban: Wie gerade schon gesagt, wir haben uns diesmal mehr Zeit genommen, wir haben fast die doppelte Zeit für diese Platte in Anspruch genommen, dadurch hatten wir die Möglichkeit, mehr auszuprobieren und die Songs bis auf´s letzte nach unseren Wünschen zu bearbeiten... Anders war auch, dass wir so gut wie alle in einem anderen Studio aufgenommen haben, zumindest die Gitarren, das Schlagzeug und die Gesänge...das war anfangs komisch, aber im Nachhinein war es super, weil man sich mehr als 100%ig auf seine Aufgabe konzentrieren konnte, ohne von anderen Einflüssen abgelenkt zu werden...
SJM: Mal Klartext: "Say Hello To Tragedy" ist – wie auch "The Awakening" – sehr eingängig ausgefallen, ohne das jetzt negativ zu meinen. Was glaubst du werden die Die-Hard-Fans von diesem Album halten? Werden sich manche aufgrund eures kommerziellen Erfolges von euch abwenden? Wie ist da deine Einschätzung? Ist es euch immer noch wichtig, neue Fans für Caliban zu gewinnen?
Andy Dörner / Caliban: Also, ich denke, dass unsere Die-Hard-Fans schon vor einiger Zeit abgesprungen sind und damit mein ich die Zeit zur Opposite From Within, da diese Platte für einige ja der Einstieg in den Kommerz war, was auch immer die Leute damit meinen...Anscheinend darf man sich als Band nicht weiterentwickeln, wie auch immer...es ist so, dass immer Leute dabei sind, die die neuen Sachen gut finden und die anderen nicht...dafür gewinnt man manchmal aber auch wieder alte Fans zurück, die zwischendurch mal Platten scheiße fanden und dafür aber wieder ne neue Platte gut, das war z.b zur Awakening der Fall. Viele Leute fanden diese Platte wieder super...Kommt wahrscheinlich immer auf die Stimmung der Leute an. Fakt ist aber nun mal auch, dass jede Band auf ihre Fans angewiesen ist, ansonsten kann man als Band nicht existieren, also sind neue Fans immer gern willkommen und gesehen.
SJM: Ihr habt vor Jahren schon, lange bevor Hardcore und Punkrock salonfähig wurden, angefangen, Musik zu machen. Wie sehen eure Ziele als Band jetzt aus? Wo wollt ihr hin? Was wollt ihr als Band noch erreichen? Ich denke mal, dass die Ziele mittlerweile weit höher gesteckt werden können, oder?
Andy Dörner / Caliban: Wir haben in den über 10 Jahren schon so viel erlebt, gemacht und gesehen, das es schwer fällt, noch irgendwelche großen Ziele zu nennen...wir waren noch nicht in jedem Land unserer Erde, das wäre vielleicht ein Ziel, ansonsten wünsche ich mir noch eine lange und gute Zeit mit der Band.
SJM: Könntest du eine Sache benennen, die ihr mit Caliban noch nicht erreicht habt, gerne aber noch erreichen würdet?
Andy Dörner / Caliban: Die Weltherrschaft...auf 'ner ACDC-Show spielen, ohne ausgebuht zu werden...nee, keinen Plan, bis auf - wie schon gesagt - so gut wie alle Länder mal gespielt zu haben...
SJM: Ist es wichtig, eine Band noch bis zu einem gewissen Grad unter der eigenen Kontrolle zu haben?
Andy Dörner / Caliban: Also, wenn das auf äußere Einflüsse von z.b Label oder Management anspielen soll, dann kann ich dazu nur sagen, dass wir immer unser eigener Herr sind, andere können zwar Vorschläge unterbreiten und vielleicht Tipps geben, aber am Ende haben wir das letzte Wort und das sollte auch so sein.
SJM: Für alle diejenigen, die Caliban schon viele Jahre kennen und die, die Caliban mit diesem Album kennen lernen werden: Was wird die Leute mit "Say Hello To Tragedy" erwarten?
Andy Dörner / Caliban: Altbewährter fetter Mosh, Metal, Melodie, Hass, Energie...eine gute Mischung vom Besten, was wir haben.
SJM: Das letzte Statement überlasse ich immer der Band. Gibt es etwas, das noch gesagt werden muss oder werden sollte?
Andy Dörner / Caliban: Caliban ist wieder da, also Augen und Ohren aufhalten, bald gibt's 'ne Europa-Tour mit der neuen Platte, mit unter anderem Suicide Silence und Maroon...Ansonsten danke für eure Unterstützung und auf weitere fette Jahre mit euch!!! Enjoy Your Life Before It´s Too Late...
(Dennis Grenzel)
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