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Neaera - 2009-05-11
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Es ist nur allzu selten, dass eine Band aus deutschsprachigen Landen auch auf internationalem Terrain den Durchbruch schafft. HEAVEN SHALL BURN als auch CALIBAN haben über weite Strecken vorgemacht, dass dies jedoch zweifelsfrei im Bereich des Möglichen liegt, mit
'Omnicide – Creation Unleashed' schicken sich die aus Münster stammenden NEAERA nun jedoch an, es eben diesen Vorreitern gleichzutun. An namhafter Prominenz soll es im Fall der Produktion des nunmehr vierten NEAERA-Werkes dabei keinesfalls fehlen, so hat die Band doch für das Mixing und Mastering der Platte Metal-Produzenten-Legende Zeuss verpflichten können, der 'Omnicide – Creation Unleashed' letzten Endes hat veredeln können. Wir sprachen bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von 'Omnicide – Creation Unleashed' mit Neaera-Sänger Benny Hilleke:
SJM: Seit der Veröffentlichung von "Armamentarium" sind gerade erst einmal zwei Jahre ins Land gezogen. Wie kommt es, dass ihr jetzt schon in der Lage seid, ein neues Album zu veröffentlichen? Waren einige der Songs schon geschrieben oder habt ihr euch voll und ganz auf die Band konzentrieren können? Warum die vergleichsweise kurze Zeitspanne?
Benny Hilleke / Neaera: Na ja, bislang lag ja sogar immer nur ein Jahr zwischen unseren Veröffentlichungen. So gesehen haben wir uns für unsere Verhältnisse ganz schön Zeit gelassen Einen wirklichen Grund für die schnelle Arbeitsweise gibt es da aber eigentlich nicht bei uns. Wenn ein Song unserer Meinung nach fertig ist dann wird da selten später noch weiter daran „rumgedocktert“.
Bis auf den Fernseher und, nun ja, nennen wir es mal Studium, hält uns auch nicht so
wahnsinnig viel ab vom Songs schreiben, dann geht das natürlich auch immer etwas
fixer.
SJM: Neaera sind meiner Ansicht nach eine der wenigen Bands mit Metalcore-Vergangenheit, die sich nun voll und ganz dem Metal zugewandt haben und sich in dieser Sparte auch haben durchsetzen können. Woran liegt es eurer Meinung nach, dass Neaera diesen Schritt gewagt haben und warum habt ihr euch im Vergleich zu vielen anderen Bands, die dies nicht geschafft haben, im Segment Metal durchsetzen können?
Benny Hilleke / Neaera: Uff, schwierige Frage...kann ich selber auch nicht richtig beantworten, aber freut mich, dass Du das so siehst. Wir haben ja so gesehen von Album zu Album die „Core“ Anteile etwas zurückgeschraubt und uns nicht plötzlich von heute auf morgen den Kajal aus den Augen gewischt um dann schnell die Six Feet Under und Cannibal Corpse Shirts überzuziehen und zu sagen : Metalcore ist tot, lass mal Metal machen. Hehe.
Ich könnte mir vorstellen, dass für die Leute unsere Weiterentwicklung auch glaubwürdig und nachvollziehbar war.
SJM: Im Vergleich zu "Armamentarium" ist "Omnicide-Creation Unleashed" eine sehr technische Platte geworden, auf der ihr euch mehr denn je als Musiker präsentiert. Welche entscheidende Schritte habt ihr eurer Meinung nach als Band machen können. Auf welchen Gebieten habt ihr euch in den letzten zwei Jahren am meisten verstärken können?
Benny Hilleke / Neaera: Ich glaube jeder Einzelne bei uns hat in den letzen Jahren entscheidende Schritte machen können, sowohl was die eigenen Fertigkeiten als auch das Songwriting betrifft... ne Band ist ja quasi eine niemals endende Ausbildung, nur mit noch mehr Bier.
Im Live Sektor funktioniert durch unsere vielen Auftritte das Zusammenspiel auch immer besser, wodurch wir langsam zumindest an eine halbwegs-tighte Punkband ranreichen .haha
SJM: Rein musikalisch, finde ich, seid ihr mit "Omnicide-Creation Unleashed" mehr in die Extreme gegangen. Die harten Metal-Passagen fallen noch extremer aus. Wenn ihr das selbst beurteilen würdet – wo seht ihr die wichtigsten musikalischen Unterscheidungspunkte zu "Armamentarium"?
Benny Hilleke / Neaera: Ja, das mit den Extremen sehe ich genauso, allerdings halte ich Omnicide trotz dieser Extreme oder vielleicht auch gerade deswegen für insgesamt eingängiger und auch noch etwas schlüssiger als Armamentarium. Wir haben n einen kleine Schuss mehr Black Metal mit einfließen lassen, wodurch die Grundstimmung noch einen Tacken Düsterer wird als auf den Vorgängern. So richtig fröhlich wird’s auf der Platte nicht.
SJM: In Hinsicht auf das Coverart und den Titel der Platte scheint "Omnicide-Creation Unleashed" ja für ein gewisses Statement zu stehen, eine Art Konzept, etwas, für das ihr als Band stehen möchtet. Was ist das genau?
Benny Hilleke / Neaera: Nun, in unseren Texten geht es u.a. um Krieg, Unterdrückung, Umweltzerstörung und Machtmissbrauch durch Religion. Omnicide bedeutet soviel wie die totale Zerstörung durch Menschenhand und ich denke das fasst die Thematik unserer Texte ganz gut zusammen.
SJM: Würdet ihr mir zustimmen, wenn ich behaupten würde, Neaera wären eine Death Metal-Band mit einer gewissen Hardcore-Ethik? Mal Bezug nehmend auf eure Texte: Gibt die Sparte Metal zu wenig für das her, was ihr an Botschaften an den Hörer bringen wollt?
Benny Hilleke / Neaera: Ja, ich glaube das könnte man so stehen lassen ...deine Bezeichnung werde ich auch direkt mal schön bei den nächsten Interviews mit einbauen hahaha.
Ich finde allerdings nicht, dass die Sparte Metal zu wenig hergibt für ernstere bzw. sozialkritische oder politische Themen....es gibt ja genug Bands in dem Sektor, die nicht mehr nur irgendwelche stumpfen Texte raushauen. Texte waren uns schon immer wichtig und wenn einer keinen Bock hat auf die jeweilige Botschaft, dann brauch er ja nicht in die Lyriks schauen...das Gebrülle versteht ja eh keine Sau
SJM: Deckt sich das Ergebnis "Omnicide-Creation Unleashed" mit euren Vorstellungen, wie die Platte werden sollte, als ihr ins Studio gegangen seid? Stand das Album schon komplett, als ihr angefangen habt, aufzunehmen oder gab's da Grenzgänge, die er euch als Band abverlangt habt?
Benny Hilleke / Neaera: Ehrlich gesagt war Omnicide der bisher anstrengendste Aufnahmeprozess und wir sind alle mehr als nur einmal auf dem Zahnfleisch gegangen...aber mit Ali Dietz haben wir einfach einen super Produzenten an der Hand. Ali kennt uns gut und weiß, was wann wie machbar ist und was eben nicht. Ich war zunächst noch etwas unsicher, als ich ins Studio gegangen bin, weil die Vocalpassagen bei den meisten Songs noch nicht gesetzt waren und ich bei mir bei einigen Songs nicht wirklich vorstellen konnte wie die Songs später mit Gesang bzw. Geschrei klingen würden. Dafür war ich später umso überraschter , wie fett die Songs dann doch geworden sind.
SJM: Soweit ich das sehe, nimmt Neaera in euren Leben eine Menge Zeit in Anspruch. Bleibt da überhaupt noch Zeit, neben Aufnahmen, Proben, Schreiben Touren, Promoten einem geregelten Job nachzugehen? Wie sieht das bei euch aus?
Benny Hilleke / Neaera: Tja, da stoßen wir alle so an unsere Grenzen, die meisten von uns sind Studenten, daher ist vieles auch irgendwie zeitlich machbar...auch wenn ich mich wahrscheinlich damit abfinden muss, dass ich irgendwann 200 Semester zusammen habe. ..
SJM: Ist es zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt vorstellbar, dass es bei euch mal eine Zeit geben wird, in der Neaera eine weniger wichtige Rolle spielen wird? Denkt ihr darüber nach, dass sich die Interessen von fünf Menschen, die heute noch zusammen Musik machen, ab einem gewissen Zeitpunkt mal komplett anders entwickeln werden?
Benny Hilleke / Neaera: Ja, dass ist sicherlich so...aber das handhabe ich momentan so wie mit den meisten unangenehmen Fragen...erst mal nach hinten schieben, bis die jeweilige Frage unausweichlich ist :)
Aber uns ist auch klar, dass wir nicht eine Ewigkeit durch die Gegend touren und auf irgendwelchen Bühnen rumhüpfen können.
SJM: Ihr scheint ja live dieses Jahr noch viel vorzuhaben. Wie sehen die Pläne, die über das Release des Albums hinausgehen, konkret aus? Was habt ihr 2009 noch alles vor?
Benny Hilleke / Neaera: Och, das lassen wir einfach auf uns zukommen, damit sind wir immer ganz gut gefahren ...wenn wir was planen, geht es meistens eh nach hinten los.
Bislang steht bis auf die Festivals auch eigentlich noch relativ wenig an, da ist noch so wahnsinnig viel bestätigt.
SJM: Das letzte Statement überlasse ich immer der Band. Gibt es etwas, das ihr noch loswerden oder gesagt wissen wollt?
Benny Hilleke / Neaera: Vielen Dank für das Interesse an unserer Gurkentruppe und wenn ihr zufällig ab dem 22ten Mai über unsere neue CD stolpern solltet, riskiert mal ein Ohr.
Und wenn ihr den letzten Song auf unsere Platte rückwärts abspielen lasst, dann hört ihr ein wunderbares Rezept für eine köstliche Schokoladencremetorte :)
(Dennis Grenzel)
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