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Moshquito - 2008-02-14

Die Anfänge von Moshquito aus dem sächsischen Lichtenstein reichen zurück in Zeiten, als Bands wie Slayer, Kreator oder Sodom gerade ihre ersten eigenen Riffs komponierten. Nach einigen vielversprechenden Anfangserfolgen lösten sich Moshquito Anfang der Neunziger Jahre auf, um sich vor zehn Jahren zu reformieren. Seitdem Zeit veröffentlichte die Thrash Metal-Band drei CDs und eine Live-DVD, um nun nach knapp vier Jahren mit dem starken neuen Album „Behind The Mirror“ und dem aufstrebenden Reartone-Label im Rücken endlich durchzustarten. Wir hatten die Gelegenheit, Gitarrist Ingo Lohf zum bisherigen Werdegang der Band und natürlich zum neuen Album zu befragen.

SJM: Hallo Ingo, wie geht’s?

Ingo / Moshquito: Danke der Nachfrage, mir geht es gut. Und mit den guten Reviews über unsere neue CD noch besser.

SJM: Moshquito ist ja schon seit Ewigkeiten am Start. Kannst Du unseren Lesern einen kleinen Überblick über die Bandhistorie geben?

Ingo / Moshquito: Ok, mal kurz im Telegrammstil:
Anfang der 80er als Cover-Rockband unter dem Namen ARGUS gegründet, schneller musikalischer Wandel zu Hardrock/Heavy Metal, 1987 auf Grund ständiger Gängeleien durch die Staatsgewalt Umbenennung in MOSHQUITO, musikalische Entwicklung zum Thrash-Metal, erste Demo-Tapes mit englischsprachigen Eigenkompositionen, damit gelegentliche Präsenz bei Jugendradio DT 64, nach der Wende Auflösung aus beruflichen Gründen, 1996 Neubeginn als Thrash-Combo, stilistischer Wandel Richtung Death-Metal, mittlerweile 4 Alben, eine Live-DVD und etwa 20 bis 30 Auftritte im Jahr.
Eine ausführlichere Bandbio gibts auf unserer Offiziellen Website - www.moshquito.de - unter "Band" zu lesen.

SJM: Moshquito hatte sich Anfang der Neunziger aufgelöst und Mitte der Neunziger hast Du die Band, teilweise mit neuer Besetzung, reformiert. War es für Dich klar, daß Du unbedingt mit dem Namen Moshquito weitermachen würdest oder gab es für Dich Überlegungen, nochmal komplett neu anzufangen?

Ingo / Moshquito: Am Neubeginn in den 90ern war das eigentlich noch kein Thema, den Namen zu ändern. Ich dachte man kann einfach dort, wo wir aufgehört hatten wieder anknüpfen, ein paar von den alten eigenen Songs spielen und dazu neue Songs schreiben. Aber nach einer Weile merkten wir dann schon, daß das Interesse der Fans und auch der Fanzines immer nur auf dem alten Kram lag. Auch war es anfangs sehr schwer, mit dem alten Namen neue, junge Fans zu begeistern. Für viele waren wir nur der alte Aufguss aus DDR-Zeiten. Neue Songs wurden schwer wahrgenommen. Ich muß sagen, vor der Veröffentlichung der „Enter new Spheres“- Scheibe [2004] haben wir schon mal darüber nachgedacht, ob es vielleicht besser wäre, mit neuen Namen noch mal neu zu starten. Aber heute ist das alles kein Thema mehr, denn zum Glück hat sich das Blatt doch gewandelt. Man nimmt uns jetzt endlich als Band von heute war.

SJM: Inwiefern identifizierst Du Dich mit der Band?

Ingo / Moshquito: Ich glaube mit der Frage spielst du darauf an, daß ich das einzige noch aktive Gründungsmitglied der Band bin. Das heißt aber nicht, daß ich MOSHQUITO bin und alle anderen Bandmitglieder austauschbar sind. MOSHQUITO haben sich ständig weiterentwickelt, und jeder in der Band hat seinen Beitrag dazu geleistet. Wir identifizieren uns alle voll mit MOSHQUITO, das ist keine Einmannshow, sondern eine Band aus fünf vollwertigen Mitgliedern.

SJM: Eure Einflüsse liegen irgendwo in der Schnittmenge Thrash und Death Metal, mit vielen progressiven Elementen. Wie hat sich Euer Sound über die Jahre entwickelt?

Ingo / Moshquito: Mal abgesehen von der allerersten Zeit mit ARGUS, in der wir hauptsächlich gecovert haben, waren wir anfangs eine reine Thrash-Metal-Band. Der Stil hat sich aber im Laufe der Zeit soweit verändert, daß man uns heute gar nicht mehr so eindeutig einordnen kann. Du hast das in deiner Frage schon richtig beschrieben mit den verschiedenen Einflüssen. Der Wandel hat sicher auch etwas mit den Bands zu tun, die wir selber viel hören. Natürlich hat auch der Einstieg unseres heutigen Sängers Michael Morgenstern einen deutlich Death-Metal-lastigeren Sound zur Folge gehabt, da er viel tiefer und brachialer klingt als sein Vorgänger Olli.

SJM: Und wo würdest Du Euch verorten: Im Thrash oder im Death Metal?

Ingo / Moshquito: Heute würde ich sagen, etwas mehr Death-Metal als Thrash.

SJM: Was denkst Du über die ganze Neo-Thrash-Welle?

Ingo / Moshquito: Ist schon komisch, die ganzen Jahre präsentieren wir Thrash, keiner wollte ihn so richtig hören.Und jetzt, wo wir unsere Stilrichtung etwas geändert haben, hört man wieder Thrash. (Ha,ha,ha) Aber im Ernst... uns geht es nicht um die Stilrichtung, welche gerade mal angesagt ist, sondern wir machen die Mugge, welche uns Spaß macht.

SJM: Euer letztes Album “Enter New Spheres” habt Ihr selbst herausgebracht, das neue Album „Behind The Mask“ erscheint nun bei Reartone Music. Was hofft Ihr, was sich dadurch verbessert? Und war die Selbstvermarktung vom Vorgängeralbum eine Verlegenheitslösung?

Ingo / Moshquito: Mit der Veröffentlichung von „Behind The Mask“ bei Reartone Music erhoffen wir uns natürlich eine deutlich breitere Präsens in den Plattenläden und auch Medien, wie z.B. Internet, Fanzines u.s.w. Da Reartone Music mit dem Twilight-Vertrieb und Sure Shot Worx zusammen arbeitet, kommt die CD europaweit auf den Markt, und das kann man mit einer Eigenveröffentlichung wie „Enter New Spheres“ nicht vergleichen. Bei der „Enter New Spheres“ hatten wir auch nicht gerade viel Auswahl. Eventuell noch irgendein Knebelvertrag oder eben Eigenvermarktung. Jetzt mit Reartone haben wir ein richtig gutes Gefühl, und hoffen, daß die CD ein Erfolg wird.

SJM: Um “Behind The Mask” fertigzustellen, hat es jetzt annähernd vier Jahre gedauert. Ich nehme mal an, daß Ihr alle nicht von der Musik leben könnt und nebenbei arbeiten müßt?!

Ingo / Moshquito: Ja natürlich! Wir arbeiten alle nebenbei, sonst müßten wir verhungern.

SJM: Und was macht Ihr jetzt in diesen Tagen, wo das neue Album am Start kurz vor der veröffentlichung steht?

Ingo / Moshquito: Neben unserer hauptberuflichen Tätigkeit arbeiten wir an den Songs für unser nächstes Album, in der Hoffnung, nicht wieder so lange Zeit bis zur Veröffentlichung zu brauchen. - Ach, so… Interviews schreiben wir auch ein paar und lesen gespannt unsere Reviews.

SJM: Ihr habt einen neuen Gitarristen in Euren Reihen, Maik Richter, trotzdem wirkt die Gitarrenarbeit so flüssig, als ob Ihr schon ewig zusammen spielt. Wie teilt Ihr Euch denn die Gitarrenarbeit auf? Spielt Ihr beide die Leads und die Soli?

Ingo / Moshquito: Jeder spielt alles. In die Soli teilen wir uns rein. Diese spielen wir dann wechselseitig, so kommen sie live auch gut rüber.

SJM: Und wie würdest Du Euch als Gitarristen charakterisieren?

Ingo / Moshquito: Wir nehmen unsere Gitarrenarbeit sehr ernst, wollen uns natürlich auch ständig weiter entwickeln. Das heißt also… üben, üben, üben.

SJM: Wer schreibt bei Euch eigentlich die Songs? Entstehen die Songs im Proberaum oder setzt Ihr Euch zuhause vor ein weißes Blatt Papier?

Ingo / Moshquito: Jeder von uns ist mehr oder weniger an der Entstehung eines Songs beteiligt. Erstmal werden Riffs komponiert und auf einen Sequenzer (PC) aufgenommen. Dann setzt man sich zusammen, um den passenden Rhythmus zu finden und die Songs zu arrangieren. Das Ganze klappt natürlich nie beim ersten Mal. Es wird so lange daran gearbeitet, bis wir absolut zufrieden sind. Die Texte kommen immer erst ganz zum Schluß, die werden völlig unabhängig davon frei von der Leber weg geschrieben. Diese werden dann vom Ablauf her der Musik angepaßt, oder umgekehrt.

SJM: Wovon handeln denn die Texte? Die Titel weisen doch darauf hin, daß sie doch sehr unterschiedliche Themen behandeln?!

Ingo / Moshquito: Wir machen mit unseren Texten auf die schlimmsten Mißstände unseres Daseins aufmerksam, ohne uns dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Perverse Neigungen und die Gefühle physisch und psychisch kranker Menschen sprechen wir genauso an wie religiöse und politische Themen. Es gibt da auch kein Konzept. Wir schreiben die Lyrics, wie uns die Themen zufallen. Das Artwork spielt auf den Titeltrack an, der die Gefühle eines sehr unglücklichen Menschen beschreibt, der gezwungen ist, anders zu sein. Alles in allem recht düstere Texte.
Die Texte sind übrigens auf unserer offiziellen Homepage www.moshquito.de nachzulesen. Einfach unter "Discography" das Album anklicken, ein Klick auf den jeweiligen Titel zeigt den Text.

SJM: Und welche sind Eure „Visions Of A Better World“?

Ingo / Moshquito: Natürlich ein Leben ohne all die negativen Dinge, mit denen die Menschheit so zu kämpfen hat. Warum können wir uns nicht mal bißchen zusammenreißen und versuchen, miteinander klarzukommen?
Meiner Meinung nach strahlt das Stück einen geradezu herrlichen Optimismus aus, völlig im Gegensatz zu den finsteren Themen der anderen Songs. Das hat uns dazu bewogen, diesen Titel auszuwählen und wir wollen damit trotz allem Übels dieser Welt einen kleinen Lichtpunkt auf das Album setzen.

SJM: Welcher Song ist denn Dein Favorit auf „Behind The Mask“?

Ingo / Moshquito: „The Atheist“ – schöne komplizierte Rhythmen, ein schneller Part in der Mitte und dann wieder runter vom Gas.

SJM: Habt Ihr denn irgendwelche Pläne, auf Tour zu gehen?

Ingo / Moshquito: Größere Touren werden aufgrund unserer beruflichen Tätigkeit nicht möglich sein, aber wir bemühen uns, zumindest an den Wochenenden so weit wie möglich rumzukommen. Termine für Österreich sind ebenso geplant wie eine kleinere Tour im nächsten Jahr mit unseren Kumpels SOLACE OF REQUIEM aus den USA. Dann werden wir auch Benelux und evtl. Frankreich mit in Angriff nehmen.

SJM: Vielen Dank, Ingo, für Deine Zeit, die Fragen zu beantworten! Wenn es noch etwas gibt, was Du anmerken möchtest, dann bist Du jetzt herzlich dazu eingeladen!

Ingo / Moshquito: Viele Grüße an Eure Leser, vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem unserer Konzerte.

(Eckart Maronde)