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Sometree - 09.03.2004
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Stellt Euch doch erstmal vor und gebt einen kurzen Abriss der Bandgeschichte.
Björn: Ich bin Björn und spiele Schlagzeug.
Bernd: Ich bin Bernd und spiele Gitarre und singe. Sebastian spielt Gitarre, Alex spielt Bass. Wir beide haben vor über 10 Jahren angefangen zusammen zu spielen. Anfänglich haben wir Metal gemacht. Sometree unter dem Namen gibt's mehr oder weniger seit 8-9 Jahren, damals noch als Trio. Auf einem der frühen Demos hat Erik von Kettcar noch die 2. Gitarre gespielt. Vor 6 1/2 Jahren ist Sebastian als 2. Gitarrist eingestiegen, kurz darauf ist der alte Bassist raus und Alex kam als Aushilfslösung bis sich jemand anderes gefunden hat. Er hatte zu dem Zeitpunkt eine andere Band. Aus Aushilfe ist dann fest geworden und so machen wir in der Formation jetzt 6 1/2 Jahre die Musik.
Heute ist ja der letzte Tag der aktuellen Tour. Erzählt doch mal, wie es gelaufen ist.
Björn: Es fing im Prinzip damit an dass wir mit Blackmail zwei Shows in Süddeutschland gespielt haben, dann in die Schweiz gefahren sind. Das war dann ne ziemlich krasse Erfahrung, weil es halt Profiliga war. Es waren viele Leute da und alles war extrem durchorganisiert, so kannten wir es vorher gar nicht. Dann sind wir nach Frankreich gefahren, haben mit Appleseed Cast dort eine Show gespielt und sind weiter nach England gefahren. Das war dann wieder der Bereich aus dem wir auch kommen, also viel Busfahren, kleine Clubs, wo der Veranstalter sich teilweise überhaupt nicht für uns interessiert hat. Dann gings nach Holland und Belgien, was ganz cool war, und heute ist der letzte Tag hier in Münster.
Was hat Euch denn insgesamt besser gefallen? Die "professionelle" Schiene mit Blackmail oder die "familiäre" Atmosphäre mit Appleseed Cast?
Bernd: Es hat beides Vorteile. Der Vorteil bei Blackmail war dass man dort mehr Menschen erreicht. Man kann versuchen mehr Menschen von sich zu überzeugen. Wir hatten auch das Glück dass Blackmail uns als Personen sehr wohlgesonnen sind. Wenn man mit Bands tourt wo man einfach nur draufgebucht wird kann ich mir vorstellen dass das mitunter sehr unangenehm wird, weil man dann nur als der Supportact behandelt wird. Bei uns war es aber gerade nicht so, deshalb hatten wir dadurch sehr viele Vorteile. Auf der anderen Seite fühlt man sich auf den kleinen Shows wohler, man fühlt sich mehr auf Augenhöhe mit dem was so passiert. Es ist aber auch viel anstrengender und manchmal auch deprimierender. Als wir z.B. in England getourt sind mussten wir an einem Tag 900 Kilometer zurücklegen, sind den ganzen Tag gefahren und waren fertig ohne Ende. Und als wir ankamen war es nur ein Keller unter einem Pub, ohne richtige PA, kein Backstagebereich um sich mal zurückziehen zu können. Es gab kein Essen, nichts zu trinken. Und wenn man schon so fertig ist wird das dann auch zuviel.
Wie wurdet Ihr denn im Ausland aufgenommen? Wie seht Ihr Euch im internationalen Kontext? Oder konzentriert Ihr Euch mehr auf den nationalen Bereich?
Björn: Es gibt keinen Schwerpunkt bei uns. Es ist immer ein großes Abenteuer rauszukommen. Wir haben im letzten Jahr in Deutschland sehr viel gespielt, dann macht es Spaß auch mal andere Länder zu sehen. Es ist natürlich schwierig, weil viele Leute uns da gar nicht kennen. Ich finde es persönlich wichtig dass man sich nicht nur auf Deutschland fokussiert, aber es ist schon wichtiger. Man hat sich hier etwas aufgebaut und es kommen auch mehr Leute zu den Shows als im Ausland.
Bernd: In Lüttich z.B. haben wir jetzt das zweite Mal in vier Monaten gespielt, und das hat man schon sehr gemerkt. Wir haben im gleichen Club gespielt und wir haben uns sehr angenommen gefühlt, weil wir gesehen haben dass es sehr viele Leute gab die uns schon kannten und deshalb wiedergekommen sind. Das ist bei den anderen Shows im Ausland natürlich nicht so.
Eure aktuelle Platte "Moleskine" kam ja letzten September raus. Wie waren denn die Reaktionen der Fans und auch der Presse?
Björn: Für unsere Verhältnisse waren die Reaktionen super. Was die Presse angeht hatten wir relativ viele positive Kritiken, eine schlechte Kritik fällt mir aber auch ein, aus der unser Label dann eine Anzeige geschaltet hat um damit Werbung zu machen. Ich weiß nicht ob es von den Leuten die uns mögen einige gibt die enttäuscht sind. Vielleicht gibt es Leute die sagen dass das Album zu soft geworden ist, oder dass die Produktion jetzt so anders ist dass sie damit nichts anfangen können. Aber auch da habe ich bisher nur gute Sachen gehört.
Bernd: Es ist schwer auseinander zu halten. Es gibt Stimmen die sagen das Album davor war besser weil es sperriger war, und es gibt Stimmen die sagen das jetzige ist besser weil es besser zugänglich ist oder weil die Songs besser sind. Die Stimmung die einem entgegen schlägt ist sehr heteronom.
Wenn man die drei Alben betrachtet ist eine gewisse Veränderung des Songwritings offensichtlich. Auf dem neuen Album herrschen vermehrt auch leise Töne vor. War dieser Schritt geplant?
Bernd: Also geplant war das in dem Sinne nicht dass wir gesagt haben "Jetzt machen wir mal ein ruhigeres Album", denn genau das wollten wir eigentlich nicht machen. Es war geplant, diese vordergründige Komplexität von "Sold Heart To The One" in den Hintergrund zu bringen, ohne die Komplexität dabei aufzugeben. Das Chaotische was Dir auf "Sold..." aufgefallen ist kommt auch daher, dass unsere Herausforderung auch immer darin besteht uns weiter zu entwickeln und unsere Fähigkeiten zu pushen. Auf "Sold..." war es dann so dass es sehr stark nach außen gewirkt hat und mitunter sehr technisch klingt. Unser Vorgaben bei der jetzigen Platte war diese Herausforderung für uns aufrecht zu erhalten ohne sie so stark nach außen wirken zu lassen.
Wie geht Ihr denn an neue Songs heran? Habt Ihr zuerst eine kleine Melodie und baut alles darum herum auf oder kommen die Lyrics bei Euch zuerst?
Bernd: Die Lyrics kommen definitiv als Letztes. Jemand kommt mit einer Idee oder zwei zusammen hängenden Ideen und dann basteln wir im Übungsraum solange daran bis es uns allen gefällt.
Habt Ihr die letzten drei Jahre an neuen Songs gearbeitet?
Björn: Es gibt bei uns immer Phasen wo wir viel spielen und dann auch proben. Dann entstehen auch keine neuen Songs. Gerade zum letzten Album gab es Phasen in denen wir geprobt haben und gesagt haben "Wir müssen jetzt mal neue Songs schreiben", aber es kam über Monate nichts. Irgendwann gab es dann einen Schub und es ging wieder. Wir haben oft das Problem dass wir starken Druck brauchen. Wir brauchen den Termindruck des Studios auf den wir hinarbeiten können. Dann schreiben wir manchmal eine Woche vor dem Studio den letzten Song oder sogar noch im Studio. Das war bei diesem Album auch der Fall.
Noch mal zu den Lyrics: Mir ist aufgefallen dass sie nie veröffentlicht werden. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Bernd: Ja. Möchtest Du die lange oder die kurze Version hören? (Wir einigen uns auf die mittellange Version) Es hat mehrere Gründe. Erstmal habe ich es selbst als Musikliebhaber erlebt dass ich mich total von Texten oder Songs berührt gefühlt habe obwohl ich die Texte kaum verstanden habe. Ich habe nur Brocken aus dem Text heraus genommen die dann genau in das hinein gepasst haben was ich hinein projiziert habe. Dann habe ich später den ganzen Text gelesen und als ich wusste worum es geht hat mir das sozusagen den Song enteignet. Die Entscheidung für mich, die Texte nicht zu veröffentlichen hängt dann einerseits damit zusammen dass man damit die Deutungshoheit bei sich lässt. Ich finde dass die Bedeutung des Songs im Hörer entstehen soll. Und wenn er für sich eine Bedeutung bastelt die etwas mit ihm zu tun hat, indem er denkt "Das passt zu mir", dann berührt es einen selber am meisten. Und wenn ich dann Songs schreibe und mit den veröffentlichten Texten die Bedeutung determiniere wird genau dies erschwert bzw. sogar unmöglich. Der zweite Grund ist, dass die Songs so persönlich sind dass sowieso niemand verstehen würde worum es geht, da die Texte so kryptisch geschrieben sind. Selbst wenn ich sie niederschreiben würde, käme für den unwissenden Hörer der mich nicht kennt nicht viel mehr dabei heraus. Und drittens denke ich nicht, dass sie so gut sind dass sie auf ein Podest gehören.
Ist es dann nicht so dass die Bedeutung des Songs verloren geht, wenn keine Erklärung dazu abgegeben wird? Das andere Extrem sind ja Linernotes, in denen die Erstehung jedes einzelnen Songs noch genau beschrieben wird.
Bernd: Es kommt natürlich immer darauf an was man will. Bei uns bzw. mir steht im Vordergrund dass die Musik bestimmte emotionale Stimmungen erzeugt mit denen die Inhalte der Texte korrespondieren. Wenn wir die Songs herausgeben stellen diese auch nichts anderes als den Rahmen dieser Stimmungen dar. Außerhalb dessen kann man das auch nicht interpretieren.
Welche Pläne habt Ihr denn noch für dieses Jahr?
Björn: Der Plan ist, an neuen Songs zu arbeiten. Wir möchten gerne in diesem Jahr noch ins Studio gehen und eine neue Platte aufnehmen. Wir können nur nicht abschätzen wie es laufen wird. Es gibt darüber hinaus noch eine Art Projekt an dem wir arbeiten, da gehen wir vielleicht im nächsten Monat für zwei Songs ins Studio. Dazu kommen dann einige Club- und Festivalauftritte im Frühling und Sommer. Wir haben das Problem dass unser Bassist im Arbeitsleben steht und auch Nachwuchs erwartet. Wir müssen dann in den nächsten Wochen auch mit einem Ersatzbassisten proben damit wir die Shows auch wahrnehmen können.
Ihr kommt aus Hannover. Habt Ihr einen Bezug zur lokalen Szene?
Bernd: Wir waren relativ verbandelt mit Auburn Lane, mit denen wir auch die Split gemacht haben. Die haben sich leider aufgelöst, der Gitarrist ist übrigens auch der Ersatzbassist. Früher hatten wir mit den Jungs von Byron mehr zu tun, aber die haben sich ja auch aufgelöst. Da wir aber ursprünglich alle aus Goslar kommen, haben wir hier auch keine Jugendfreunde oder sind mit anderen Bands groß geworden. Abgesehen davon hatten wir aber auch immer das Gefühl dass wir in Szenen nicht willkommen sind und wir uns dort auch nicht willkommen fühlen. In der Stadt in der wir waren gab es Pearl Jam-Coverbands, Metalbands und Punkbands und da passten wir nie rein. An überregionalen Bands fühlen wir uns mit Seidenmatt, Delbo und Torchous aus Berlin verbunden, sowohl was die musikalische als auch die menschliche Ebene angeht.
Zum Abschluss könnt Ihr hier und jetzt noch etwas loswerden was Ihr immer schon mal sagen wolltet.
Bernd: Ich weiß was, aber das klingt so pädagogisch... Wenn man sich unterhalten will sollte man nicht auf ein Konzert gehen. Viele Leute gehen auf ein Konzert um gesehen zu werden, aber interessieren sich überhaupt nicht für die Band und deren Musik. Das ist mitunter sehr frustrierend, wenn der Geräuschpegel auf der Bühne lauter ist als die eigenen Songs.
(Frank Schmidt)
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