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Miami Golem - 11.02.2004
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Miami Golem werden noch nicht jeden ein Begriff sein, doch ich wette, dass sie bis zum Ende diesen Jahres in aller Munde sein werden. Die Jungs werden Anfang März ihre Debütscheibe "yeah whatever" auf Swell Creek veröffentlichen. Und dieses Debütwerk hat sich gewaschen. Musikalisch einzuordnen irgendwo zwischen Quicksand und Helmet, wird dieses Postrockwerk von sich Reden machen. Mein Wort darauf. Jens von Miami Golem erklärte sich bereit, mir ein paar Fragen zu beantworten, mit denen es hoffentlich gelingt, auf die Band und ihr Full Length-Debüt aufmerksam zu machen. Zumindest neugierig. Here we go:
SJM: Zuerst einmal die Standardfragen, an denen keiner vorbeikommt: Stell dich doch mal bitte vor und sage, welche Aufgabe du bei Miami Golem übernimmst.
Jens/Miami Golem: Jens, Schlagzeuger und Mädchen für alles.
SJM: Was lässt sich über die Geschichte, und vor allem die Vorgeschichte von Miami Golem sagen?
Jens/Miami Golem: Um ehrlich zu sein wollen wir davon wegkommen. Als wir die Band gegründet haben, haben wir die Namen unserer "Vorgängerbands" benutzt, um den Leuten Orientierungspunkte zu unserer Musik zu geben. Jetzt
hoffen wir, daß das nicht mehr nötig ist.
SJM: Was habt ihr aus der Vorgeschichte aus euren anderen Bands gelernt
und was davon wird bei Miami Golem Beachtung finden?
Jens/Miami Golem: Dass es wichtig ist, mit Freunden zwei bis drei Mal die Woche Musik zu
machen und dabei Bier zu trinken.
SJM: Ich habe bezüglich Solarez gelesen, dass ein Major-Vertrag nicht das
ist, was ihr von eurer Musik erwartet und mit ihr erreichen wollt.
Stumpfe, aber doch gerechtfertigte Frage: Was ist es, was euch
antreibt, Musik zu machen? Was ist das Ziel? Und was spricht dagegen,
davon leben zu können?
Jens/Miami Golem: Das Wichtigste ist, mit Freunden Musik zu machen, darum,
UND NUR DARUM, geht es, da gibt es keine weiteren Ziele. Im Prinzip
spricht überhaupt nichts dagegen, mit Musik Geld zu verdienen. Die
Sache ist nur, daß die meisten Leute, die das so machen, schlechte
Musik machen, die dann auf allen Kanälen zu sehen und zu hören ist und
mir mächtig auf die Nerven geht.
SJM: Walter Schreifels hat ja einen Künstlervertrag unterschrieben, der
ihn Zeit seines Lebens dazu verpflichtet, einen Prozentsatz seiner
Umsätze abzugeben. Mal ehrlich: Wollt ihr den Mann und die Agentur
arbeitslos machen?
Jens/Miami Golem: Mmh, ich verstehe die Frage nicht: Haben wir das jemals gesagt? Es gilt
hier das gleiche, wie bei Frage 4: Da Walter Schreifels gute Musik
macht, würde ich ihm von Herzen wünschen, daß er viel Geld damit
verdient. Leider gibt es da einen traurigen kausalen Zusammenhang: DA er
gute Musik macht, verdient er leider nicht besonders viel, und es hört
ihn kaum jemand. Das Tolle an Walter ist, daß er sich dadurch nicht
verbiegen läßt: Obwohl er mehr Geld mit anderer, schlechter Musik machen
könnte, tut er das nicht.
SJM: Ich finde, "yeah whatever" setzt nicht nur da an, wo eure EP,
sondern auch wo "manic compression" aufgehört hat. Der Vergleich mit
Bands wie Quicksand oder Rival Schools liegt ja sowas von auf der Hand,
dass ihr wahrscheinlich von jedem zweiten darauf angesprochen werdet.
Wie seht ihr das? Könnt ihr das als Lob ansehen? Und was würdet ihr
demjenigen entgegnen, der daraus ein Vorwurf formulieren würde, der
ganz gewaltig an eurer musikalischen Eigenständigkeit rüttelt?
Jens/Miami Golem: Gerade gestern habe ich ein Interview gemacht, in dem ich gefragt wurde, wie es uns möglich ist, so
eigenständige Musik zu machen, wie wir es tun: Offensichtlich findet also nicht jeder, daß wir wie Quicksand klingen (ich auch nicht), trotzdem ist es natürlich ein Lob, mit dieser Band verglichen zu werden. Aber mir kommt es manchmal so vor, als würden diese Vergleiche nur gezogen, weil wir den Namen
Quicksand im Info erwähnen. Ganz konkret gibt es einige stilistische
Elemente, die wir von Walter übernommen haben, z.b. das unisono
gehaltene Doppeln einiger Melodielinien. Was die Songs angeht, hat
meiner Meinung nach nur 'disorientation' Ähnlichkeiten zu 'undercover's
on' auf dem Rival Schools Album, allerdings ist er viel konventionell-rockiger als der RS Song und daher nicht wirklich mit ihm vergleichbar.
Songs wie 'joy of painting' oder 'track you down', oder auch 'airwaves'
klingen ja nun wirklich nicht nach Quicksand. Ausserdem muß natürlich
auch mal gesagt werden, daß in der heutigen Zeit der Vorwurf, daß man
wie seine Vorbilder klingt, in's Leere geht: Alle neueren Rockbands, die
zur Zeit im Radio gespielt werden, klingen ja geradezu zu 100%
nach ihren Vorbildern, man denke nur an die Strokes -- und trotzdem
werden sie gehypt und abgefeiert. Und um Mal ein Beispiel mehr aus
unserer Musikrichtung zu geben: Denen im Augenblick (sicher zu Recht)
abgefeierten "Maxeen" wirft ja auch keiner vor, daß sie wie "The Police"
klingen, was sie aber extrem tun. Finde ich das schlimm? Nein, überhaupt
nicht. Es ist nur legitim, wie seine Vorbilder zu klingen. Ich wünschte
mir nur, es gäbe mehr Bands, die eigenständiger wären und so die
Rockmusik weiter nach vorn bringen würden. Daß wir das auch nicht sind,
ist uns schon klar. Wir wollen auch nicht das Rad neu
erfinden, wie es ja sogar in unserem Info steht ...
SJM: Letzte Frage zu diesem Thema: Wie entstand die Idee zum Cover? Auch
das weist ja eine gewisse grafische Ähnlichkeit zu uns allen bekannten
Werken auf...
Jens/Miami Golem: An welche Werke denkst du denn? Schon wieder an Quicksand? Tja, dann muß
an dieser Stelle mal erwähnt werden, daß wir mit dem Cover und der
Gestaltung des Booklets fast nichts zu tun hatten. Das hat alles der
Graphikdesigner von Swell Creek gemacht -- und wir haben ihm keinerlei
Vorgaben gemacht, außer, daß das Cover irgendwie zum Albumtitel ‚yeah whatever' passen soll.
Er hat dann das zu Papier gebracht, was ihm beim Hören der Platte in
den Kopf gekommen ist, wie gesagt, nur der Titel war von uns vorgegeben. Da uns dann seine Idee gefiel, haben wir sie einfach so übernommen.
Ich persönlich muß bei unserem Cover an das Scorpions Cover vom 'black
out' Album denken ... und Ähnlichkeiten mit den Covers der größten
deutschen Rockband sind uns natürlich immer willkommen.
SJM: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Swell Creek? Waren noch andere
Bewerber im Gespräch oder war das eine Sache, die direkt klar war?
Jens/Miami Golem: Na ja, Snapcase und Boy Sets Fire wollten auch mit Swell Creek
zusammenarbeiten, aber der Labelchef wollte lieber uns ... Mal im
Ernst: Das Label ist klein und wollte unsere Sachen rausbringen. Da
haben wir natürlich zugesagt.
SJM: Hand auf´s Herz: Wieviel bekommt ihr von der Musikindustrie wegen
der Auflistung des Equipments auf eurer Webseite zugesteckt? (Frage
meinerseits: Steht die schicke Gibson LP Standard zum Verkauf?);-)
Jens/Miami Golem: Die Gibson ist übrigens nur eine Epiphone; Martin hat das Foto so
geschnitten, daß man die Kopfplatte nicht sehen kann ... und die hat
Axel inzwischen schon wieder verkloppt, für 150 Euro glaub ich. Die
Webseitenauflistung war nur ein Gag, da Martin und Axel letztes Jahr
auf dem Vintagetrip waren (Axel ist es immer noch) und sich Zeugs über
Zeugs bei Ebay gekauft haben. Inzwischen ist der Fender Bassman
verkauft und Christoph und Axel spielen nun beide über identische Marshall 2100 Tops, weil wir eben eigentlich Vintageequipment (zumindest was
Verstärker angeht, bei Gitarren und Mikrophonen ist das natürlich etwas
anderes) für unseren Sound nicht wirklich brauchen können.
SJM: "Airwaves" klingt für mich wie eine Anklage an die heutige Zeit
und die bestehenden Abhängigkeiten? Sehe ich das richtig oder was ist
der Hintergrund der Lyrik von diesem Song? Da es der letzte Song auf
der Platte ist, fällt so was ja besonders leicht ins Auge...
Jens/Miami Golem: Völlig richtig. Wir haben auf Radio und Kommerz keinen Bock, daher der Song. Außerdem klingt 'airwaves' schon ein wenig
nach 80er Jahre Wavepunk -- die Songs, die wir seit den Aufnahmen zum
Album gemacht haben, gehen alle in diese Richtung (das nur mal als
Ausblick).
SJM: Eine Frage, die sich an Christoph und Jens richtet: Man hat sich
ja in der Kindheit schon genug in den Haaren gehabt. Geht man sich in
einer Band da nicht mit der Zeit gehörig auf die Nerven? Zumal es ja
nicht die erste ist, in der ihr zusammenspielt.
Jens/Miami Golem: Ja und nein. Außerdem haben wir ja große Vorbilder: Man denke nur an
Eddie uns Alex Van Halen und Angus und Malcolm Young. Wir streiten uns
schon, aber das sind wir ja eben seit mittlerweile fast 27 Jahren
gewöhnt, insofern stört das dann das Funktionieren der Band nicht.
SJM: Abgesehen von vorher Gesagtem: Was waren/sind eure musikalischen
Einflüsse? Inwiefern kommen diese in Miami Golem zum Tragen?
Jens/Miami Golem: Im Augenblick sind wir auf nem "Devo" und "Gang of Four" Trip, den man
aber auf dem Album noch nicht hört ... das kommt dann erst beim nächsten
zum tragen. Die anderen, offensichtlicheren Einflüße haben wir ja oben
schon abgehandelt. Da fällt mir wieder was auf: Im Gegensatz zu
Solarezzeiten oder der ersten MG EP von vor einem Jahr hat uns bisher
noch keiner gesagt, daß wir ja wie Helmet klingen würden -- und siehe
da, der Name Helmet taucht auch in unseren neuen Infos nicht mehr auf
... obwohl zumindest der Song "year-o-meter" vom neuen Album ein
extremes Helmet Riff hat ...
SJM: Was kann man von Miami Golem im Jahre 2004 erwarten? Was steht
nach dem Albumrelease ins Haus?
Jens/Miami Golem: Hoffentlich eine Tour im Sommer.
SJM: Das letzte Statement ist eures. Irgendetwas, dass ihr loswerden
möchtet und das gesagt werden muss?
Jens/Miami Golem: Vielen Dank für die Fragen (die waren wirklich hart!) und das Interesse
an unserer Musik! Wir freuen uns, daß dir das Album gefällt!
...und ich werde damit kein Einzelfall bleiben. Man wird schnell merken, dass man es neben den ganzen Bands aus den Staaten hier mit einer Kapelle zu tun hat, die definitiv mal wieder das Zeug dazu hat, die Indierockszene im eigenen Lande mal ein wenig aufzumischen. Und mehr als das. Ich denke, dass da auch live einiges gehen wird. Neben den Livedaten in der Toursektion hoffe auch ich auf eine ausgedehnte Reise durch die Clubs der Republik. Wir werden (sie) sehen...
(Dennis Grenzel)
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