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Fear My Thoughts - 29.03.2004

Mit Fear My Thoughts schicken LifeForce Records im April eine weitere vielversprechende Band ins Rennen. Den Rückenwind von Destiny noch auf der eigenen Seite, heißt die neue Hoffnung des Metalcore Fear My Thoughts, deren neues Album "the grat collapse" im April erscheinen wird. Markus (gui) und Mathias (voc) haben mir zum Thema Fear My Thoughts und zum kommenden Album einiges verraten. Mir ist selten eine Band untergekommen, die noch so viel zu sagen hat bzw. noch klare Ansagen macht. Aber lest selbst:

SJM: Könntet ihr euch bitte mal vorstellen und sagen, welche Aufgabe ihr jeweils in der Band übernehmt. Wer spielt bei Fear My Thoughts sonst noch eine Rolle?

Markus: Tach erst mal. Ich bin Markus Ruf und spiele Gitarre bei FMT. Neben Mathias, der sich in diesem Interview eher den Fragen bezüglich den Texten widmet, sind an der ganzen Kiste noch Patrick, Bartosz und Alex beschäftigt. Patrick setzt sich momentan sehr stark für die Arterhaltung von chinesischen Würgehühnern ein und hatte keine Zeit für dieses Interview. Bart und Alex können nicht schreiben.

Mathias: Hi, ich bin Mathias, und singe/shoute (oder wie auch immer man das mittlerweile nennt...).

SJM: Was gibt es Wichtiges zur Bandgeschichte zu sagen. "The great collapse" ist ja nicht eure erste Platte und ihr scheint ja alles andere als Szene-Neulinge zu sein. Was sollte man über euch und eure Band wissen?

Mathias: Uns gibt es seit nunmehr sechs Jahren...angefangen haben wir nur zu viert: Patrick, Bart, Alex und ich. Damals waren wir noch ziemlich Oldschool orientiert. Das hing zusammen mit unseren musikalischen Interessen und unseren eher begrenzten musikalischen Fähigkeiten( Ausnahme war hier Patrick, der schon in einer anderen Band gespielt hatte). Nach einigem hin und her kam dann irgendwann Markus dazu. Das war gerade zu dem Zeitpunkt, als wir anfingen, technischer zu werden, bzw uns weiter zu entwickeln. Wir nahmen unsere erste CD auf ( sapere aude ) und vertrieben sie ein wenig auf unserem eigenen Label (Dioxin City Productions ). Markus gab hierzu natürlich noch immense Impulse.
An einer Show haben wir dann Chris von Let It Burn kennen gelernt. Er fand unsere Musik recht gut und schlug vor, eine Platte ( -23-) auf seinem Label zu veröffentlichen. Nach einiger Zeit und größtenteils recht positiven Feedback nahmen wir dann unsere dritte CD/LP auf ( vitriol ). Wir sind bisher zweimal durch Europe( na gut einige europäische Länder) getourt. Das erste Mal mit Blindspot ad und das zweite Mal mit Devil Ate My Son. Beide Touren waren echt witzig und haben sehr viel Spaß gemacht. Neben einer Split CD/LP mit Fear Is The Path To The Dark Side, die auf Scorchedearthpolicy erschienen ist, kommt jetzt die neue Scheibe bei LIFEFORCE raus. Die LP-Version wird bei Per Koro erscheinen.


SJM: Ihr habt ja bisher auf Labels wie Let It Burn Records und Scorched Earth Policy Records veröffentlicht? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit LifeForce Records und wie hat sich dieses Verhältnis entwickelt?

Markus: Die Erfahrungen, die wir mit Let it Burn gesammelt haben waren Gold wert. Dass sich zwei Menschen wie Chris und Daniel so in die Musik Anderer reinversetzen und diese fördern finde ich genial. Let It Burn hat uns dazu verholfen bekannt zu werden und wenn man es so will den Grundstein für unseren Erfolg gelegt. Wir haben uns in Freundschaft von diesem Label getrennt und haben noch viel Kontakt zu Chris.
Wie kam der Kontakt zu Lifeforce ? Ich hatte irgendwann eine Email von Lifeforce in meinem Posteingang und wir waren natürlich überglücklich da wir glaubten, endlich das gefunden zu haben, was das Richtige für uns ist. Und es hat sich bewährt. Lifeforce ist der absolute Traum !!! Dieses Label steht mit beiden Beinen auf dem Boden und macht doch Schritte voraus. Es gibt viele gute, innovative Bands auf diesem Label, die es meiner Meinung nach weit bringen werden. Eine Person, die, die Aufmerksamkeit seitens Lifeforce auch auf uns gelenkt hat ist M. Hartmann von ex Absidia/ the Crimson Divine.
M. ist ein langjähriger, sehr intensiver Freund unserer Band und wir sind im sehr dankbar dafür, dass er in diesem Prozess mitgewirkt hat. Wir hoffen natürlich auch, dass ihm das mit seiner neuen Band ebenfalls passiert ( www.thecrimsondivine.com - you fucking rule !!!)


SJM: Zu eurer neuen CD "the great collapse": Im Zusammenhang mit dem Frontcover ergibt das ja einen Gegensatz. Stilles Wässerchen auf der einen Seite und der Plattentitel auf der anderen: Widerspricht sich das in euren Augen? Was ist konkret mit dem Plattentitel und dem Titelsong gemeint?

Mathias: Das Lied handelt eigentlich davon, das jeder neue Tag eigentlich ein "great collapse" ist: ich habe durch Beobachtungen an mir selber und in meiner Umgebung den Eindruck, dass Menschen sehr gerne in vertrauten Umgebungen unterwegs sind, bzw. sich gerne vor Veränderung drücken würden( allerdings ist das leben halt eine ständige Veränderung), ob das nun einfach nur das Älterwerden ist, oder zB die sich verändernden Umwelteinflüsse usw. Was es auch ist, die Welt, wie wir sie gestern kannten wird morgen so nicht mehr sein. Deswegen versuchen wir uns an Vertrautes zu klammern oder Dinge so zu gestalten, dass sie uns bekannt erscheinen... wie auch immer. Die Welt, die wir uns erschließen, verändert sich trotzdem weiter... the great collapse.
Dass das Cover mit der Musik und dem Titel im Gegensatz stehen ist zum Teil beabsichtigt. Uns ist nicht nur der musikalische Aspekt wichtig, sondern auch ein gewisser ästhetischer. Persönlich finde ich es immer ganz spannend, wenn das Cover nicht Musik-typisch ist ( z.B. bei Metal düster und dunkel, bei Oldschool Livefotos usw.). Wenn ich so weit gehen kann oder darf zu sagen, dass die Platte halt nicht nur musikalisch ein Kunstwerk sein soll...


Markus: Das Coverbild steht indirekt auch für die RUHE vor dem Sturm. Die Geschlossenheit und Ruhe der Welle, die kurz vor dem Zusammenbruch steht… - the great collapse awaits…

SJM: Wenn man eure Musik hört und sich eure Homepage ansieht, wird schnell klar, dass Fear My Thoughts eine Menge Einflüsse unter einen Hut bringen. Grob hätten wir da Metal und Hardcore. Was für Einflüsse treffen in der Band konkret aufeinander und wie wird daraus ein musikalisch stimmiges Gesamtbild?

Markus: Das stimmt allerdings !!! Das ist auch ein wichtiges Konzept, dass hinter FMT steckt. Die Band steht für die Verwirklichung von Vorstellungen, die ein jeder von uns mit sich bringt. Der Musikgeschmack der 5 Köpfe, die, die Band darstellen deckt einen riesigen Bereich der Musiklandschaft ab. Würden wir unsere privaten Tonträger zusammenschmeißen würden wir von Klassik über Elektronik, IndieRock, Metal bis hin zu Freejazz einiges abdecken. Man vermutet oft, dass sich Menschen, die so einen Lärm fabrizieren auch im heimischen Wohnzimmer schreiend durch die Bude jagen, kleine Kinder erschrecken oder auf Spaziergängen Kreuze umdrehen.
Mir persönlich ist enorm wichtig, das man hier differenziert !!!
Wir wollen mit Fear My Thoughts versuchen Grenzen zu sprengen . Grenzen, die wir uns selber setzen. Warum kann eine Band, die offensichtlich Metal macht oder es versucht, kein Artwork haben, welches eher auf eine andere Musik weist ? Das ist der Reiz an der ganzen Geschichte, sich einem Genre zuzuwenden und trotzdem die Vorlieben oder Elemente mitzunehmen, die einem vertraut sind oder für einen stehen. Klar ist es auch ein dünnes Eis auf dem man sich bewegt, da es natürlich sehr sinnvoll ist ein Artwork und Konzept zu schaffen, was auch eine ungefähre Vorstellung der Musik zulässt. Hinter jedem Artwork steckt eine Absicht. Wir wollen die Personen erreichen, die diese Absicht in unserem Auftreten erkennen und sich darauf einlassen können / wollen hinter die Kulisse zu blicken.


Mathias: Unsere musikalischen Interessen rangieren zwischen Popmusik und Metal. Wenn wir im Proberaum zusammenkommen, probieren wir die durch die verschiedenen Musikstile inspirierten Vorschläge so zu kombinieren, dass wir damit zufrieden sind...
Das ist manchmal sicher schwer und wenn wir in der nächsten Probe ein Lied noch mal machen kann es gut sein, dass wir alles wieder über den Haufen werfen, weil es sich auf einmal doch nicht mehr so cool anhört, aber im großen und ganzen klappt das eigentlich immer ganz gut. Wichtig ist uns einfach, dass wir uns nicht nur über eine gewisse musikalische Sparte definieren, sondern versuchen, so frei wie nur irgend möglich zu sein. Mit Sicherheit steht der Metal immer im Vordergrund. Jedoch macht es ihn sicher interessanter, wenn man ihn mit anderen Elementen kombiniert.


SJM: "The great collapse" kann meiner Ansicht nach ja durchaus mit amerikanischen Releases mithalten. Locker sogar. Wie seht ihr das. Wie stehen eure Chancen, euch hier in Europa, aber auch international bei der Konkurrenz aus den USA durchzusetzen?

Markus: Das ist eigentlich gar nicht unsere Absicht. Für mich kommen die wahren Giganten des Metals aus Schweden. Schweden ist sozusagen der "Quell" des guten Metals . Klar beherbergt die USA neben Verbrechern auch gute Bands - kleiner Scherz - jedoch ist es nicht unsere Absicht, uns gegenüber diesen Bands durchzusetzen. Wir leben hier in Europa- das ist vordergründig unsere Zielgruppe. Wir wollen nichts überstürzen. Aus unserer Sicht ist es enorm wichtig, einen solchen Schritt mit Vernunft anzugehen, nachzudenken was man macht und nicht beginnt Songs oder Musik für einen ausgewiesenen Markt zu schreiben. Wir werden immer das machen was wir wollen !!!
Klar ist es reizvoll auch über den großen Teich zu blicken, sich auszumalen, was alles kommen könnte und was nicht. Momentan ist eine enorme Welle in den USA auszumachen, enorm viele Bands die aus dem Boden sprießen, viele Bands, die es schon lange gibt und jetzt erfolgreich werden. Was es für einen deutschen Fünfer bedeutet auf diesen Wagen aufzuspringen weiß ich persönlich nicht. Wir werden sehen was kommt ! Klar, Lifeforce ist momentan gerade damit beschäftigt auch im amerikanischen Markt mitzumischen, doch das ist alles noch in Entwicklung und keiner weiß wirklich was dies alles beinhaltet. Wir sind enorm stolz, dass uns Lifeforce die Möglichkeit gibt und werden unser Bestes geben !!!


Mathias: Mir ist es eigentlich relativ egal, ob wir uns gegen andere "durchsetzten" oder mit ihnen mithalten können. Wichtig ist mir nur, dass das, was wir machen, honoriert wird und es uns Spaß macht. Sicher ist es nett, wenn wir auf einmal auch größere Konzerte angeboten bekommen und etwas bekannter sind. Allerdings sehe ich uns nicht in einem Konkurrenzkampf.

SJM: Was für eine Grundintention steckt hinter eurer Musik. Was wollt ihr erreichen bzw. verändern? Was sollte der Name Fear My Thoughts eurer Meinung nach repräsentieren?

Markus: Hui, das ist weit gegriffen. Ich kann dir nicht sagen, was wir damit erreichen wollen. Ich denke wir wollen generell das Studio verlassen und sagen können, ja - hier das ist unsere neue Platte, das ist FMT im Moment. Wir wollen mit FMT glücklich werden. Im Grunde denke ich wir sind im Bezug auf die Band alles harmoniesüchtige Deppen. Alles muss sich gut anhören, es ist schön wenn alles läuft und rollt. Eine wirklich, tiefe Krise gab es eigentlich noch nie. Klar sind Unstimmigkeiten immer vorhanden, jedoch waren diese noch nie so fatal, dass sie unseren Kopf gekostet hätten. Was meiner Meinung nach FMT ausmacht. Wir sind alle dicke Freunde. Das hört sich jetzt sicher witzig an... Im Ernst - Uns verbindet eine sehr enge, intensive Freundschaft die auch über die Musik hinaus existiert. Eine Freundschaft, die es in der Form nicht mehr geben wird, weil wir gemeinsam agieren. Sobald ein Teil wegfallen würde, wäre das nicht mehr FMT. Bei unseren Konzerten kommt es oft vor, dass es zu kleineren, ulkigen Ausführungen unseres Sängers oder der generellen "Bühnenpräsentation" kommt. Wir sind einfach verdammte Poser, denen es Spaß macht, Metal zu spielen - mehr nicht. FEAR MY THOUGHTS steht für Energie, Wahnsinn, Schwachsinn und vor allem für Freundschaft.

Mathias: Veränderungen/ Revolutionen sind schwierig, bzw. unmöglich( ok, schwer möglich) , dass jede Revolution schon wieder eine Konterrevolution in sich trägt. Zudem denke ich nicht, dass wir so neue Ziele haben. Hinzu kommt, dass wir bisher auch nur in der Hardcoreszene unterwegs waren und dort die Gedanken, welche ich habe und niederschreibe nichts Neues sind...
Was mir wichtig ist, ist schlicht und ergreifend, dass sich Menschen bewusst mit sich und ihrer Umwelt auseinandersetzen. Wer weiß, vielleicht wird ein bloßes Überdenken von Verhaltensmustern ja doch so etwas wie eine Revolution einläuten? Ich glaube eher nicht. Wir sind wohl schon zu faul und dekadent geworden...bzw. haben Angst, unseren erreichten Standart zu verlieren...)
Der Name kommt aus unserer Anfangszeit, als wir noch sehr stark dem "Oldschool- Hardcore" verschrieben waren. Sozial kritische Texte standen im Vordergrund und dementsprechend zielte dieser Name ein wenig auf diejenigen ab, die etwas zu befürchten haben.


SJM: An Songnamen hätten wir da etwa "mission immortality", "norm AD" oder auch "reign", die ich grob dem Metalbereich zuordnen würde, auf der anderen Seite sind da Songtitel, die für alles stehen könnten. Will sagen bzw. fragen: Womit beschäftigen sich eure Texte? Was ist für euch wichtiger: Musik oder Lyrics? Oder beides?

Mathias: Für mich als Sänger haben natürlich die Texte eine nicht unerhebliche Rolle, da ich zum Musikalischen relativ wenig beitragen kann. Mir ist auch klar, dass sie bei Konzerten, aufgrund meiner "Gesangsart" nicht oder nur schwer verstanden werden. Allerdings empfinde ich das als eine art Vorteil: Wenn man sich wirklich dafür interessiert, muss man sich bewusst damit auseinandersetzen.
Auf dieser Platte - und allen anderen bisher auch - haben meine Texte, grob gesagt, meistens entweder mit dem, was in mir stattfindet oder mit dem politischen Geschehen rund um mich/uns herum zu tun.
Selbstverständlich möchte ich hiermit nicht zum Ausdruck bringen, dass die Texte das wichtigste überhaupt sind. Die musikalische "Verpackung" ist natürlich auch immens wichtig und fällt zuerst auf. Jedoch höre ich beispielweise ungern oder gar keine Bands, die zwar gute Mucke machen aber absolut dumme, oder echt blöde Texte haben... Um das in einem Satz zusammen zu fassen: eine gute Mischung aus Text und Musik ist für mich sehr wichtig. Okay, hier mal das Wichtigste zu einigen Songs:

- "rituals" : Die Welt in der wir leben baut nur auf Hierarchien. Daran hat sich, wenn wir die Geschichte beobachten, auch noch nie wirklich was geändert. Das einzige Ziel, das viele Menschen in ihrem leben zu haben scheinen ist, in der gesellschaftlichen Struktur aufzusteigen. Gegen diesen Zustand zu protestieren, würde bedeuten, seinen Status zu verlieren. Deshalb sind viele einfach ruhig und halten weiterhin an diesen Ritualen fest...

- "sirens singing" : Mir ist durch mein eigenes konsumverhalten aufgefallen, wie sehr man der Werbung glauben schenkt, wenn sie Glück und Zufriedenheit durch Konsum verspricht. Allerdings ist ja genau das Gegenteil der Fall. Nur fällt es uns schwer, das zu sehen und zu akzeptieren, daher auch das Singen der "Werbe- Sirenen" uns von der eigenen Stimme in uns ablenkt, die uns zur Umkehr bewegen möchte.

- "hollow inside" : Das unangenehme Gefühl, das einen ausfüllt ( oder doch eher entleert), wenn man von Selbstzweifeln zerfressen wird.

- "challenge": Mir selber und vielen anderen fällt es immer sehr leicht, das Verhalten anderer und Missstände in unserer Welt zu kritisieren. Dass wir selber immer ein Stückweit selber Verantwortung tragen wird hier gerne übersehen...

- "norm ad" : Wir kommen auf die Welt und sind eigentlich frei von Furcht oder Ängsten. Durch Erziehung bzw. das Verhalten der Eltern( sagen wir: Erziehung im allgemeinen) werden wir mit verschieden Ängsten konfrontiert und genormt. Menschen, die Furcht haben ( was ja meistens aus Unwissen resultiert), sind leichter lenkbar. Sei es durch Religion oder politische Führer...

- "reign": Wenn man sich unsere westliche Gesellschaft genauer anschaut wird man schnell feststellen, das enorme Parallelen zu historischen Gesellschaftssystemen bestehen. Die Unterschiede bestehen lediglich darin, dass wir unsere Sklaven nicht mehr vor dem Haus anbinden, sondern sie in Swaetshops schuften lassen und unsere Gladiatoren nicht mehr in Arenen kämpfen sondern bei Big Brother o.ä. um unsere Gunst buhlen. Diese Dekadenz führte früher oder später immer zum Fall der "Kultur".


SJM: Erkläre doch mal bitte das Sample am Ende von "mission immortality". Woher stammt das? Das sind ja große Worte und sie kommen zu dem Schluss: "Maybe death is a gift". In wie weit spricht das für euch?

Mathias: Das Sample bzw. der Ausspruch hat insofern etwas mit dem Lied zu tun, als dass ich denke, dass alles, was wir Menschen jemals tun ( bewusst oder unbewusst), irgendetwas damit zu tun hat, dass wir uns nicht damit abfinden können, dass wir irgendwann einfach sterben und verschwinden, vergessen werden. Wir versuchen, Rekorde aufzustellen, kluge Sachen zu sagen usw., um nicht in Vergessenheit zu geraten. Das ist, glaube ich zumindest, das Schlimmste für uns. "Maybe death is a gift" wäre somit eine Erlösung von diesem Bestreben, das meistens eh keine oder nur geringe Früchte trägt.
Das Sample selber stammt aus dem Film "Das Leben des David Gale". Aber bitte nicht weitersagen… wir haben keine Genehmigung dafür (lacht).


SJM: Was für eine Bedeutung hat Musik im Allgemeinen in eurem Leben? Und zwar auf der einen Seite als Konsumenten, auf der anderen als Musiker selbst.

Markus: Musik gehört zu den wichtigsten Bestandteilen meines Lebens. Musik ist das Element was nie von meiner Seite weicht. Musik entwickelt sich immer weiter und man selber hat die Möglichkeit diesen Prozess zu fördern oder anzutreiben. Musik kann aber auch wie in meinem Falle zur Sucht werden. Ich bin absoluter Musik Junkie !!! Ich kaufe mehr Cd´s wie andere Leute Lebensmittel. Ich brauche sehr viel Inspiration, die ich mir durch das Anhören von anderen Bands, Produktionen oder Ideen einhole. Gerade in der Phase, nach dem Abschluss der Aufnahmen einer neuen Platte, wenn es darum geht schon wieder neue Songs zu schreiben, neue Ideen umzusetzen höre ich extrem viel neue Musik. Es ist klar nicht so, dass ich beim Songwriting dann Ideen übernehme - zumindest nicht bewusst. Ich bin mir aber absolut sicher, dass selbst eine Platte wie NELLY FURTADO - Folklore einen Einfluss darauf hat ! Musik ist für mich ein Element, was mich immer begleiten wird. Musik ist nicht altersspezifisch ausgerichtet. Jeder Mensch kann Musik machen. Ich habe mir mit den Jahren einen sehr eigenen Zugang zur Musik geschaffen, der es mir zulässt, dem Alltag zu entfliehen, Probleme zu verdrängen und meine Kreativität einzubringen. Ich denke, Ich spreche in diesem Sinne auch für die anderen 4 Idioten in der Band.

Mathias: Ohne Musik wäre es echt schwer... Ich könnte mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Zum einen ist es seit jeher ein Medium gewesen, mit dem man Stimmungen, Gedanken usw. transportieren konnte. Zum anderen ist es auch als Stimmungs -Unterstützung bzw. - stimulanz enorm wichtig.
Ich gehe gern auf Konzerte, um mir andere Bands anzuschauen und durch sie inspiriert zu werden. Jedoch hat das Ganze meist den Nachteil, dass ich die Musik nicht einfach nur anhören kann. Ich muss sie immer irgendwie auseinander nehmen und analysieren...das nervt manchmal. Aber ich kann halt nicht anders.


SJM: Für diejenigen, denen Fear My Thoughts bisher noch kein Begriff war und diejenigen, die "the great collapse" noch nicht kennen: Was wird die Leute mit dem neuen Album erwarten?

Markus: Das ist eine schwere Frage... es ist enorm schwer die eigene Platte einzuschätzen. Verdammt seien die Wochen der Vorbereitung und des langen Wartens auf die Erscheinung der Platte. Jeder, der selbst Musik macht, kennt dieses Gefühl, nicht zu wissen, wie die neue Platte ankommt.
Wie würde ich "the great collapse" beschreiben ?
Für mich ist es ein enorm tiefer Einblick in die psychische Situation von 5 Chaoten, die sich FMT nennen. Diese Platte hat uns so viel Schweiß gekostet, wie keine andere zuvor!
"TGC" steht für Entwicklung von Persönlichkeiten und Musikstil. Die neue Platte ist viel strukturierter und durchdachter als unsere früheren Erscheinungen. Wir haben zu unserem Stil gefunden und ihn vertieft. Das Songwriting ist solider und songorientierter und hat meiner Meinung nach den Stil und Charakter von FMT nicht verloren. Klar haben wir mit der Zeit unseren alten Charakter ( chaotisch, verspielt, )teilweise abgelegt jedoch denke ich nicht das es so fatal ist, dass uns alte Hörer nicht mögen werden. Wir haben uns bewusst verändert, um unseren Vorstellungen treu zu bleiben.
Um näher auf die Musik einzugehen. "TGC" ist klar eine metallastige Platte. Die Songs sind eingängiger und fließender. Wer genau hinhört bemerkt auch unsere zahlreichen progressiven Einflüsse, die wohl Bands wie King Crimson, YES, Opeth, Porcupine Tree, Dream Theater oder Tool zugeordnet werden können. Ich denke, dass Metal mehr sein muss als pures Geholze und Geprügel. Metal ist für sich eine Form der Kunst, die viele Musiker sehr interessant verpacken. Auch wenn es viele Leute außerhalb dieses Genres als utopisch ansehen irgendwann auch nur einen Funken Kunst zu entdecken, so finde ich es als absolut reizvoll, den Metal von dieser Seite anzugehen. Es war für FMT schon immer Absicht und oberste Priorität möglichst viele Einflüsse miteinander zu kombinieren, um unsere Vorstellungen umzusetzen. Waren es früher chaotische -,/ Stonerrock Einflüsse - so ist es jetzt ganz klar der Progressivrock.


Mathias: Ein neues FMT Album...? eine reifere Platte? Das ist recht schwierig zu beantworten, da ja jeder andere Ansprüche hat.... vielleicht kann man es so formulieren: wir sind straighter geworden, ohne jedoch die typischen FMT- Komponenten zu vernachlässigen. Das ist echt schwer...

SJM: Okay, schauen wir mal in die Zukunft: Habt ihr schon Pläne, die über die Veröffentlichung von "the great collapse" hinaus gehen. Was können wir von euch in diesem Jahr noch alles erwarten?

Markus: Wir sind momentan schon wieder sehr intensiv mit Songwritíng für die nächste Scheibe beschäftigt. Und es scheint spannend zu werden in, welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Wir können uns kaum noch vor Konzertangeboten retten und versuchen mitzunehmen, was geht. Es beginnt momentan ein total neuer Abschnitt für FMT. Das Ganze erhält eine ganz andere Dimension. Wir warten jetzt erst einmal ab, bis die Platte wirklich in den Läden steht, werden wieder auf Tour gehen und viel live spielen.
Momentan geben unsere Jobs eigentlich auch genug Freiräume diese Vorhaben anzugehen. Gerade die Tour ist ein Moment auf den wir schon sehr lange hinfiebern. Unsere letzten beiden Tourerfahrungen mit Blindspot a.d und the Devil ate my Son waren somit das abgefahrenste, was wir je erlebt haben. Ich denke auch, dass die diesjährige Tour mit Herod sehr witzig werden kann. Wir haben ihre Platte zwar erst 1 - 2 mal gehört, aber ganz klar ist: Sie lieben Iron Maiden !!! Wir auch - also das wird schon werden.
Musikalisch basteln wir gerade an ca. 5 - 6 neuen Songs, die bisher sehr viel versprechen. Alle Songs knüpfen an "TGC" an und führen weiter in die tiefen Abgründe unserer verwirrten Hirne. Ach Scheiße, die nächste Platte wird schon gut werden.


Mathias: Abgesehen von unserer Tour mit Herod im Mai werden wir so viele Shows wie möglich spielen und neue Lieder komponieren. Auch haben wir vor, bzw. wurden von Stefan( Lifeforce) angehalten, ein Video zu drehen. Bisher ist das allerdings noch nicht so ganz ausgereift, da wir immer noch keinen haben, der es machen möchte, bzw. wir die verschiedenen Ideen noch nicht genug vertieft haben...
Der eine oder andere von uns wird mit Sicherheit zum Friseur gehen...der Rest: wir werden sehen.


SJM: Das letzte Statement überlasse ich - wie immer - der Band. Gibt es etwas, was ihr gerne noch loswerden möchtet oder gesagt haben wollt?

Mathias: Danke für dein Interesse an uns.

Markus: Ebenfalls danke für dein Interesse an uns. Uns würde es sehr freuen, euch auch live einmal beglücken zu können. Konzertdaten stehen auf unserer Homepage. Rennt nächsten Monat zum Laden und kauft "the great collapse". Glaubt uns: Wir und Lifeforce haben uns echt den Arsch aufgerissen für diese Platte. Wäre schön, wenn ihr sie kaufen und nicht brennen oder runterladen würdet !!! Danke für euer Verständnis.
An dieser Stelle wollen wir eure Aufmerksamkeit auf eine uns sehr nahe stehende Band bzw. Freunde lenken. The Devil Ate My Son. Ihre Platte wird demnächst erscheinen und großartig werden !!!


Im Mai besteht also die Chance, Fear My Thoughts mit den Labelkollegen Herod auf europäischen Bühnen live zu sehen. Bis dahin dürfte auch jeder "the great collapse" kennen. Klar geworden ist, dass wir es hier nicht nur mit einer äußerst sympathischen Band zu tun haben, sondern auch mit Menschen, die sich viele Gedanken darüber machen, was so um sie herum passiert. Das gibt es meiner Meinung nach in diesem Genre viel zu selten. Ein Grund mehr, Fear My Thoughts abzufeiern. Ich bin sicher, dass "the great collapse" für Begeisterung sorgen wird und die Tour im Mai ein voller Erfolg werden wird. Das wünsche ich den Jungs jedenfalls. Was kann ich noch sagen? Man sieht sich dann im Mai an vorderster Front!

(Dennis Grenzel)