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Distillers - Berlin, SO 36, 17.02.2004
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The Distillers are in town. Und da ich nicht der einzige bin, der sich das ansehen will, musste die Show schon im Vorfeld vom Knaack Club in das weitaus größere SO36 verlegt werden. Da Konzertbeginn für 21 Uhr angegeben wird, begeben wir uns also um viertel vor 10 in den sich gerade so richtig füllenden Laden.

Eigentlich genau die richtige Zeit, um sich bei den beiden angkündigten Vorbands schonmal warm zu trinken, immerhin ist man auf einem Punkrock-Konzert. Auf der Bühne wird gewerkelt und nach langem anstehen an der Theke ist das erste Bier ist noch nicht mal runter, als um 22.15 Uhr das Licht aus geht, laute Gitarren erklingen und eine Frau die Bühne betritt, die verdammt nochmal nach Brody Dalle aussieht. Spätestens als sie anfängt, ins Mikro zu brüllen wird klar, dass sie nicht nur so aussieht. Offensichtlich bin ich nicht der einzige, den das ziemlich überrascht, auch der Rest des Publikums macht einen etwas überrumpelten Eindruck und reagiert entsprechend reserviert. Erst als mit dem Dritten Songs "city of angels" vom letzten Album "sing sing death house" ertönt, scheinen die Leute zu merken, dass der Hauptgrund ihres Erscheinens bereits vor ihnen steht. Und so braucht es einige Zeit, bis es der Band gelingt, den vorderen Teil des Ladens richtig in Bewegung zu bringen.
Wirkliche Probleme bereitet das den Distillern allerdings nicht. Man merkt von der ersten Minute an, dass hier Profis am Werk sind. Punktgenau werden vor allem die Songs von "coral fang" abgefeuert, der Sound ist fett und Frau Dalle zeigt beeindruckend, dass sie live genauso gut singen kann wie im Studio. Natürlich dürfen auch einige alte Stücke nicht fehlen, immerhin will man ja keinen Zweifel daran lassen, dass man derbe Punkrock ist, obwohl man Shirts für über 20 € verkauft. Aber vornehmlich gibt es neues Material, das live gut rüberkommt. Nach über einer Stunde geübter Show ohne größere Überraschungen ist die Pflicht erfüllt und die Menge anständig gerockt. Als Kür folgt zum Beginn der Zugabe mit der aktuelle Single "drain the blood" definitiv der Höhepunkt der Show, der die Stimmung nochmal richtig anheizt. Eine weitere viertel Stunde später ist dann alles vorbei.
Da ich es in der Zeit nicht geschafft habe mehr als zwei Bier von der Theke zu ergattern, wundere ich mich im Gedrängel zum Ausgang noch, wie es einige Leute scheinbar trozdem geschafft haben sich so abzuschiessen, dass man Angst bekommt, ihren Mageninhalt mit nach Hause nehmen zu müssen, dann stehe ich wieder vor der Tür und es ist noch nicht mal Mitternacht. So ist das mit Konzerten, üblicherweise fängt alles mit großer Verspätung an, man wartet ewig und muss sich oft genug zweifelhafte Vorbands anschauen. Wenn es dann mal schnell geht, ist das aber irgendwie auch nicht das Wahre. Vielleicht liegt es an der Beschäftigung, die man sonst während der Wartezeit unternimmt und um die man hier gebracht wurde, nämlich das Trinken.
So richtig umgerissen hat mich das ganze jedenfalls nicht. Ob es am mangelnden Alkoholpegel, an der größe der Halle, an der Professionalität der Band, oder an dem sonderbaren Umstand gelegen hat, dass beide Vorgruppen schon 45 Minuten nach dem offiziellen Konzertbeginn fertig gewesen sein sollen und der Abend deshalb so kurz war, ich weiss es nicht. Man darf vielleicht nicht vergessen, dass die Distillers inzwischen richtig groß sind, dicke Hallen füllen und ordentlich Platten umsetzen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, aber es scheint sich zu bewahrheiten: wessen Videos auf Viva laufen, der ist halt nicht mehr nur und ausschließlich "derbe punk". Wollen wir es den Distillers nachsehen. Die neue Platte weiss immer noch zu gefallen und Brody ist hübsch anzusehen, so auch diesen Abend. Immerhin haben wir eine sehr ordentliche Show gesehen, die so gesehen keine Wünsche offen ließ und anderthalb Stunden gute Musik gab´s dazu.
(Stefan Kersten)
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