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Death Cab For Cutie - 14.02.2004, Köln, Gebäude 9

Am 14. Februar sollten Death Cab For Cutie ihren ersten Gig in Deutschland spielen. Ihr neuestes Werk "transatlanticism" erschien letztes Jahr und mutierte just zum Medienliebling. Nun also die erste Chance, den Jungs gegenüber zu treten, sie näher kennen zu lernen und sie über die aktuelle Platte auszufragen. Was auch geschah. Eine halbe Stunde vor Beginn der Show setzte ich mich mit Death Cab For Cuties Bassisten in einen Raum und löcherte ihn mit Fragen. Und das ging so:

SJM: Sag uns doch mal bitte, wie du heißt, dein Alter und welche Funktion du in Death Cab For Cutie übernimmst.

Nick/DCFC: Ich bin Nick Harmer, 29 Jahre alt und spiele Bass in Death Cab For Cutie.

SJM: Was gibt´s wichtiges über die Bandgeschichte zu sagen?

Nick/DCFC: Wir sind jetzt seit 7 Jahren eine Band und "transatlanticism" ist das 4. Album, was wir bisher veröffentlicht haben. Ja, und in den Staaten sind wir enorm viel auf Tour gewesen und jetzt sind wir das erste Mal in Deutschland. Das ist eigentlich das Wichtigste.

SJM: Eure Musik ist irgendwie so originell, dass es schwer fällt, überhaupt an bestimmte musikalische Einflüsse zu denken. Was meinst du? Was ist das für Musik, die euch beeinflusst?

Nick/DCFC: Das ist eine ziemlich gute Frage. Wichtig dabei, dass wir auch hauptsächlich Musikfans sind. Das wir in einer Band spielen, kommt erst an zweiter Stelle. Und natürlich beeinflussen uns die Platten, die wir lieben. Es gibt sogar welche, die alle in der Band gut finden. Das sind Bands wie LOW, THE CURE, TALK TALK. Da gibt´s eine Menge. Das sind nicht nur Bands, die auf unserem Label sind, aber auch. Darüber hinaus hat jeder natürlich auch seinen eigenen, individuellen Geschmack, auch was grundverschiedenen Musikstile angeht. Einige von uns, so wie auch ich, mögen eher rockige Sachen, Ben mag eher dieses Singer/Songwriter-Ding wie etwa BILLY BRAGG oder BOB DYLAN. Unser Drummer hingegen interessiert sich sehr für Jazz. Und ich denke, in irgendeiner Art und Weise schimmert dies auch durch unsere Musik und hat uns auch mit geprägt.

SJM: Gut, dann lass uns mal über euer aktuelles Album reden. Zuerst einmal: Wie hat das mit euch und Grand Hotel van Cleef angefangen und wie hat sich das weiterentwickelt? Ist das für euch eine bessere Möglichkeit, euren Namen hier unter die Leute zu bringen als es das mit Barsuk wäre?

Nick/DCFC: Ja, genau das ist der Grund, warum wir mit Grand Hotel van Cleef zusammen arbeiten. Barsuk hat keinen internationalen Vertrieb und wir wollten ein Label finden, welches sein Land auch kennt. So sieht´s mit fast allen Ländern in Europa aus. Wir haben ein eigenes Label in England, in Spanien etc. Wir mögen diese Herangehensweise, denn das jeweilige Label kann dann sehr spezifisch sein. Außerdem sind das sehr nette Menschen, die wir mögen. Wir sind jetzt das erste Mal hier und direkt ist die Show ausverkauft. Irgendjemand muss hier also einen verdammt guten Job gemacht haben...(lacht)

SJM: Death Cab und die diversen Nebenprojekte scheinen in den Staaten schon sehr viel bekannter zu sein. Man kann das von hier aus schlecht beurteilen. Kannst du da weiterhelfen und vielleicht sogar erklären, warum das so ist?

Nick/DCFC: Kann ich, klar. Das stimmt, wir sind in den Staaten weitaus populärer als hier, weil man uns da schon als Band kennt, die schon seit 7 Jahren zusammen spielt. Und wir sind einen großen Teil der Zeit auf Tour gewesen. Nicht ununterbrochen, haben aber schon sehr oft live gespielt. Hier in Deutschland ist das wie ein Neuanfang für uns. "Transatlanticism" ist zwar schon unsere 4. Platte, aber die erste, die Grand Hotel van Cleef rausbringt. Außerdem sind wir hier das erste Mal auf Tour und unser Banddasein scheint hier gerade anzufangen. Wir hoffen, dass sich das weiterentwickelt, so dass wir öfter hier touren können. Auf größeren und besseren Konzerten. Das wird schon noch eine Weile dauern, wahrscheinlich weil wir es besser finden, unsere Sachen ohne die Hilfe eines großen Majorlabels auf die Reihe zu bekommen. Wir müssen also härter arbeiten. Unsere Köpfe sind nicht auf dem Titelblatt einer jeden Musikzeitschrift. Aber das ist schon in Ordnung für uns.

SJM: "Transatlanticism" ist eine sehr stimmungvolle Platte. Weniger komplex als eure vorigen Alben, aber gänzlich überzeugend in seiner musikalischen "Einfachheit". Ich denke auch, dass der Sound poppiger geworden ist. Würdest du mir zustimmen, wenn ich die Veränderungen von den Vorgängeralben zu "transatlanticism" derart beschreibe?

Nick/DCFC: Ja, das ist schon gut beschrieben. Wir haben versucht, musikalisch hier und da ein wenig musikalisch ´abzuspecken´ und haben und Gedanken darüber gemacht, was wir tatsächlich ausdrücken wollen. Wir sind da frei nach dem Motto "Weniger ist mehr." Gegangen. Wir haben uns auch nicht Gedanken darüber gemacht, wie sich die neue Platte anhören soll, sprich: Wir haben uns nicht vorher hingesetzt und zusammen beschlossen: "Wir müssen jetzt mal eine Platte machen, die definitiv rockt oder ´mellow´ ist!". Wir wollten lediglich, dass jeder Song für sich selbst stehen kann und etwas aussagt. Herausgekommen ist dann eine Platte, die an manchen Stellen mehr rockt und an anderen Stellen mehr bedächtig ist. Wir wollten schon eine Platte, die verschiedene Stimmungen transportiert. Manche Bands schreiben ein Album und die einzigen guten Songs darauf sind die Singles. Der Rest besteht aus "fillers". Genau das wollten wir nicht!

SJM: Kurz zu den Texten. Sie scheinen immer noch eine ansatzweise zynische Position zum Leben einzunehmen. "Transatlanticism" scheint mehr über Enttäuschungen aus Beziehungen und gescheiterte Beziehungen zu handeln. Schlicht und ergreifend: Warum das?

Nick/DCFC: Hehe, es ist doch so, dass niemand hören will, dass alles in einem Leben genau so läuft, wie man sich das vorstellt. Die Menschheit hat eher einen emotionalen Bezug zu Tragödien oder schlechteren Zeiten in einem Leben. Wenn sich zum Beispiel Träume nicht verwirklichen lassen oder eine Beziehung nicht funktioniert. Irgendwie hat das Leben doch sowieso einen "bittersweet touch". Egal: Es ist toll, am leben zu sein, aber wir werden alle sterben und die Zeit zwischen Geburt und Tod ist sehr begrenzt. Mmh, manchmal scheinen Dinge sehr wichtig zu sein, aus einer anderen Perspektive oder zu einem späteren Zeitpunkt scheinen sie das nicht mehr zu sein, was aber nicht heißt, dass sie nicht wichtig sind und so weiter. Aber Ben deutete schon an und es zeichnet sich schon ab, dass die nächste Platte fröhlicher sein wird und textlich spannender.

SJM: Moment, Moment. Würdest du sagen, dass Unzufriedenheit einen entscheidende Kraft ist, die einen dazu treibt, Musik zu machen?

Nick/DCFC: Mmh, ja, vielleicht. Ich weiß nicht genau, was die treibende Kraft da bei mir ist. Es ist etwas, das ich immer gemacht habe und vor allen Dingen immer gerne gemacht habe. Ich habe mich wirklich nie wirklich gefragt, warum ich das nun mache. Aber...mmh...(5 Sekunden)...(10 Sekunden)... Ich sollte mal drüber nachdenken. Ich kann es im Moment wirklich nicht sagen.

SJM: In welcher Weise hat The Postal Service einen Einfluss auf Death Cab? Was denkt die Band darüber?

Nick/DCFC: Also, wir hatten von Beginn an eigentlich immer irgendwelche Nebenprojekte laufen. Ich denke, diese Sache hält uns als Songwriter und Musiker sehr frisch und lässt uns als solche wachsen. Jede Persönlichkeit hat verschiedene Seiten und es ist wichtig, denen nachzugehen und sie nicht zu vernachlässigen. Postal Service tut Ben definitiv sehr gut. Das Projekt ist sehr erfolgreich, aber das hat keinerlei negative Auswirkungen auf unsere Band. Okay, es mag vorkommen, dass manche Leute zu unseren Shows kommen und Postal Service Songs erwarten. Das ist irgendwie traurig, aber auch nicht unser Bier. Wir unterstützen uns gegenseitig in dem, was wir tun. Wir hatten von Anfang an eine Regel: Wenn´s an der Zeit für Death Cab ist, dann gibt es nichts anderes. Wenn also eine neue Platte oder eine Tour ansteht, wird dabei keines der Nebenprojekte da im Wege sein. Und im Moment ist halt eben "Death Cab time"...

SJM: Welche Platten, die letztes Jahr erschienen sind, haben dich am meisten beeindruckt?

Nick/DCFC: Oh man, wieder so eine harte Frage. Jesus, ich weiß jetzt echt nicht, ob die nun letztes Jahr erschienen sind. Machen wir´s einfacher: Bist du mit All-Time-Faves einverstanden?

SJM: Klar, leg los.

Nick/DCFC: Nr.1 ist auf jeden Fall Talk Talk, dicht gefolgt von Low. Es folgen The Pixies, The Cure und R.E.M. Klassiker also.

SJM: Was wird Death Cabs nächster Schritt sein? Die Band - wie eben festgestellt - erfreut sich hier einer erstaunlichen Popularität. Eine logische Konsequenz wäre doch, zu einem größeren Label oder einem Major zu gehen, oder nicht?

Nick/DCFC: Ich weiß nicht, was da als nächstes kommen wird. Ich weiß nur, dass da bald eine weitere Platte ansteht. Wir werden sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Wir haben im Moment in keinster Weise das Interesse, die Labelkonstellation zu ändern. Okay, wir hätten die Möglichkeit, mehr Leute mit unserer Musik zu erreichen, aber vielleicht würde etwas entscheidendes auf der Strecke bleiben. Das ist sehr ungewiss und immer ein Spiel mit dem Feuer.

SJM: Was wird nach dieser Deutschlandtour geschehen? Habt ihr schon feste Zukunftspläne?

Nick/DCFC: Wenn wir aus Europa zurück kommen, haben wir erst mal 4 Off Days, an denen wir gar nichts machen werden. Dann werden wir in Japan touren und daraufhin folgt eine Tour durch die Staaten, die 6 Wochen lang sein wird. Dann kommen wir nach Hause und müssen direkt schon wieder los, um in Australien zu touren. Und im Juni/Juli dann werden wir erst mal aufhören zu touren und uns um das Songwriting für die nächste Platte zu kümmern. Vielleicht werden wir dann hier auf ein paar größeren Festivals spielen oder gegen Ende des Jahres sogar wieder hier touren. Wer weiß?!

SJM: Das letzte Statement überlasse ich dir: Irgendwas, das gesagt werden sollte oder das du gerne noch loswerden willst?

Nick/DCFC: Ja, schon. Danke, dass du dich mit unserer Musik beschäftigt hast. Ich denke, dass auch die Leute, die heute Abend hier anwesend sind, ein generelles Interesse an unserer Musik zeigen. Und das zeigt, dass sie wahrscheinlich mehr darüber wissen, als ihnen in Hochglanzmagazinen präsentiert wird. Ich schätze das sehr. Haltet immer Ausschau nach guter Musik. Es gibt haufenweise Bands in den USA, von denen noch niemand hier gehört hat, die es aber definitiv verdient hätten. Ich finde es zumindest sehr spannend, deutsche Bands kennen zu lernen, die noch nichts in den Staaten veröffentlicht haben. Das ist eine tolle und spannende Sache. "So keep looking for good music!"

SJM: Das war´s auch schon. Vielen Dank und viel Spaß bei eurem ersten Gig in deutschen Landen.

Nick/DCFC: Wie gesagt, ich danke dir. Viel Spaß bei der Show.

Das fiel bei einem mit 500 Leuten vollgestopften und ausverkauften Gebäude 9 recht schwer, aber man konnte ihn haben. Death Cab For Cutie überstanden die Feuerprobe hier zu Lande locker und ich denke, man wird von dieser Band in naher Zukunft noch sehr viel mehr hören als es bisher der Fall war. Ja, in der Tat: Jemand scheint hier etwas verdammt richtig gemacht zu haben.

(Dennis Grenzel)