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Days In Grief - 01.04.2004
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SJM: Stell dich doch mal bitte vor und sage uns, welche Aufgabe du bei Days In Grief übernimmst.
Jörg /DIG: Ich heisse Jörg, singe und spiele Bass. Max spielt Schlagzeug, Flo Gitarre und Sebastian macht Background-Gesang und spielt ebenfalls Gitarre.
SJM: Was gibt es wichtiges über die Bandgeschichte zu berichten?
Jörg /DIG: Nachdem wir vier uns im September 2001 zusammengefunden hatten, haben wir erst mal in Eigenregie ein kleines Album mit neun Liedern unter dem Namen "...lessons from the past" aufgenommen, damit wir auf Konzerten CD's von uns verkaufen und unsere Songs ins Internet stellen konnten. Wirklich veröffentlicht wurde dieses Album aber nie.
Durch die Präsenz im Internet und einigen Konzerten in Kölner Raum haben wir dann Anfang 2003 Christian Klimek von "Eat The Beat" kennen gelernt, dessen Label damals aber erst in der Entstehung war. Er hat dann das Management für uns übernommen.
Mit seiner Hilfe machten wir dann auch unseren ersten Plattenvertrag mit "Poisonfree-Records" perfekt, die durch ein Demo auf uns aufmerksam geworden waren.
Im August 2003 ging es dann für 3 Wochen ins Studio, um "Portrait Of Beauty" aufzunehmen. Nach diversen Meinungsverschiedenheiten bzgl. der Arbeit mit dem Album, beschlossen wir, zu "Eat The Beat" zu wechseln.
"Portrait Of Beauty" ist jetzt seit dem 29.3.2004 veröffentlicht.
SJM: Ich denke, dass sich kaum eine andere Band vor ihrem Debüt schon so einen guten Ruf als Liveband erspielen konnte. Ihr habt da ja wirklich richtig geackert, so scheint mir. Wieso hat es mit dem Debüt so lange auf sich warten lassen?
Jörg /DIG: Das hatte mit dem Labelwechsel zu tun. Das Album war bereits im September 2003 fertig, die Veröffentlichung vor Weihnachten war aber zu kurzfristig und im neuen Jahr brauchte Eat The Beat halt noch Zeit für die Bemusterung von Fanzines etc.
SJM: Ihr habt ja in jüngster Zeit auch ein paar Konzerte mit sehr namhaften Bands spielen dürfen und hattet wahrscheinlich ein ganz anderes und zahlenmässig größeres Publikum vor euch. Wie war diese Erfahrung für euch? Denkt ihr, diese Konzerte haben euch als Band weiter bringen können? Wenn ja, in wie fern?
Jörg /DIG: Konzerte wie z.B. das Pressure Festival in Essen mit Hatebreed, Youth Of Today etc. oder das Konzert in Berlin mit The Offspring bringen einen als Band auf jeden Fall weiter. Denn zum einen freut es einen als Musiker natürlich, seine Musik einem so grossen Publikum präsentieren zu können. Vor allem gibt es einem unheimliche Motivation, wenn man es schafft, Leute die einen noch gar nicht kennen von seiner Musik zu überzeugen.
Außerdem lernt man auch, sich besser zu organisieren. Wir nehmen immer Ersatzinstrumente mit, falls mal eine Saite reißt - was nicht selten passiert! J
SJM: Zuerst mal zum Titel: Steckt hinter "portrait of beauty" eine erklärbare Grundidee?
Jörg /DIG: Ja, der Grundgedanke ist wohl wirklich "All Inside" zu entnehmen. Schönheit ist die Summe von Begeisterung, Gefühl und Ehrlichkeit im Sinne von Echtheit. Wir versuchen, mit unserer Musik diese Fragmente umzusetzen und ihnen eine Form zu geben. Deshalb "Portrait Of Beauty".
SJM: Bei euch ist es sehr offensichtlich, dass verschiedenen musikalische Einflüsse aufeinandertreffen. Da hätten wir ganz grob Hardcore und Metal. Sehr harte Parts treffen da auf ruhige Stellen und melodische Refrains. Beschreib doch mal bitte in deinen eigenen Worten, was das alles für Einflüsse sind und wie Days In Grief es schaffen, das unter einen musikalisch stimmigen Hut zu bringen.
Jörg /DIG: Die verschiedenen Einflüsse reichen wirklich von ruhigem "emotionalen" Rock, über Punkrock und Hardcore bis zu Metal. Das ist einfach auch die Musik die wir hören. Wir mögen halt viele musikalische Stilrichtungen und das spiegelt sich auch in unserer Musik wider. Wir vollenden alle Songs zusammen im Proberaum, jeder gibt dann seinen Senf dazu und meistens werden auch Teile verworfen, die nur einem aus der Band nicht gefallen. So hat jeder seinen Anteil an den Songs und das ist wohl der Grund, dass in Endeffekt stimmige Songs dabei herauskommen.
Die Einflüsse sind nicht gekünstelt, sie sind von vornherein da.
SJM: "Poetic license" spricht ja gegen einen musikalischen Absolutheitsanspruch und spricht sich dafür aus, musikalisch sein eigenes Ding zu machen und nicht nur den musikalischen Lemming zu mimen. Ist das etwas, wofür Days In Grief stehen und danach seit ihrer Gründung stets Musik gemacht haben?
Jörg /DIG: Wir finden einfach, dass dieses zum Teil existierende Schubladendenken in der Musikszene der künstlerischen Kreativität entgegensteht und Mauern baut die der Natur der Musik widersprechen. Wir haben uns diesem Denken nie gebeugt und immer die Musik gemacht, die wir lieben. Auch wenn uns das manchmal unterstellt wird, haben wir uns nie an Trends orientiert, sondern einfach unsere "dichterische Freiheit" musikalisch umgesetzt.
SJM: Im Gegensatz zum Titel der Platte "portrait of beauty" wird ja textlich gegen so manchen menschlichen Fortschritt und gegenwärtige Entwicklungstendenzen gewettert ("a nation´s distrust", "shadows fall", "resentment & disrespect"). Liege ich da völlig falsch? Was sind da eure Ansichten? Auf der anderen Seite sind die Texte ja sehr persönlicher Natur (wie etwa "all inside", "the abstract feeling of being lost")...
Jörg /DIG: Es werden sowohl zwischenmenschliche als auch politische Themen angesprochen. Es ist eine weitere Umsetzung der Fragmente Begeisterung, Gefühl und Ehrlichkeit, die auch in den Texten Ausdruck finden soll. Sei es Liebe, Wut oder Betroffenheit. Somit vermischt sich das politische auch oft mit dem persönlichen. Es gibt einfach gesellschaftliche Entwicklungen, die kritisch hinterfragt werden müssen.
Ein Schlagwort ist der Fortschritt auf technischer Ebene, der uns zum Teil immer mehr vom Menschsein und der Natur entfremdet. Beispiele sind das Klonen von Tieren, genetisch veränderte Lebensmittel und der Missbrauch durch die Geheimdienste.
SJM: Beschreibe doch bitte mal in deinen eigenen Worten: Was wird die Leute erwarten, die Days In Grief und "portrait of beauty" noch nicht kennen?
Jörg /DIG: Ein Stück emotionale Musik, die zwischen Aggression und Melodie balanciert und zwischen Punk und Hardcore anzusiedeln ist.
SJM: Eine Frage an eine noch sehr junge Band: Welchen Stellenwert nimmt Musik im Allgemeinen in eurem Leben ein?
Jörg /DIG: Musik war für jeden von uns schon immer ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Wir alle haben schon viel Musik gehört und gemacht und verbinden Musik auch mit vielen positiven und negativen Erlebnissen.
SJM: Was bedeutet Musik (Hardcore, Metal, whatever) für euch als Musikkonsumenten auf der einen Seite, auf der anderen Seite als Musiker an sich?
Jörg /DIG: Musik ist ein Kunstwerk in das die Musiker viel Liebe und Arbeit investieren. Deshalb halten wir auch nichts von File-Sharing im Internet, denn wenn man ein Album wirklich mag, sollte man auch bereit sein dafür etwas zu geben.
SJM: Betreffend "God Curb America": Muss Hardcore in diesen Tagen politisch sein? Ist es EUCH wichtig, da Stellung zu beziehen? Der Song hat ja in gewisser Weise eine besondere Bedeutung, da er der letzte auf der Platte ist und dadurch zumindest erst mal präsenter als die anderen Songs ist. Wie sieht´s damit aus? Reiner Zufall oder konkrete Intention?
Jörg /DIG: Die Platzierung als letztes Lied hat weniger eine Aussage. Wir haben es nach hinten getan, weil es eines der älteren Lieder ist und weil es sich bei Konzerten als guter Ausklang erwiesen hat.
Zu entscheiden, ob Hardcore heutzutage politisch sein muss, überlassen wir lieber anderen. Wir behandeln wie gesagt in den Texten einfach das, was uns berührt. Zu der Zeit als God Curb America entstanden ist war das der Krieg gegen die Taliban in Afghanistan, bei dem die USA aufgrund der Anschläge vom 11.September die Hauptinitiatoren waren. Auch heute ist der Song aufgrund der katastrophalen Politik der Bush-Administration noch immer aktuell.
SJM: Was wird man von euch in nächster Zukunft erwarten können? Was habt ihr für Pläne? Was steht alles an?
Jörg /DIG: Im Mai werden wir zusammen mit "Tribute To Nothing" aus England unsere erste Tour bestreiten und auch außerhalb der Tour viel live spielen.
Im Mai kommt mit "The Abstract Feeling Of Being Lost" eine zweite Single für die Clubs und vielleicht auch ein Video, Mitte des Jahres bringen wir evtl. eine Split heraus.
Parallel dazu haben wir schon die ersten Songs für ein neues Album geschrieben, und Ziel ist es bis ende 2004/anfang 2005 mit dem Songwriting fertig zu sein.
SJM: Das letzte Statement überlasse ich immer der Band. Gibt es irgendwas, was ihr noch gerne loswerden möchtet oder gesagt wissen wollt?
Jörg /DIG: Vielen Dank an Christian und Frank von Eat The Beat, die sich jeden Tag für uns und das Label den Arsch wund arbeiten.
Grüsse an die ETB-Bands und alle, die uns mögen.
(Dennis Grenzel)
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