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Crowfish - 12.01.2004
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Ende 2003 erblickte die Platte von Crowfish ´requiem for a broken heart´ das Licht der Welt und beeindruckte mich schwer. Für mich Grund genug, mit Sänger und Gitarrist Chavdar ein paar Worte zu wechseln und zwar über das neue Album, die Überlebenschancen einer bulgarischen Band in der heutigen Musiklandschaft und über die Zukunftsaussichten und -pläne von Crowhish.
SJM: Standardfrage: Stell dich doch mal bitte vor und sage uns, welchen Part du bei Crowfish übernimmst.
Chavdar: Hi. Mein Name ist Chavdar und ich bin der Sänger und Gitarrist von Crowfish.
SJM: Was lässt sich zur Geschichte der Band Crowfish sagen?
Chavdar: Wir haben so etwa 1997 angefangen und spielen jetzt schon 6 Jahre in dieser Besetzung. Bis jetzt haben wir 3 Alben veröffentlicht, von denen das erste bis jetzt aber nur in Bulgarien erhältlich ist.
SJM: Ich kenne die bulgarische Hardcore/Indierock-Szene überhaupt nicht Was kannst du uns darüber sagen?
Chavdar: Ja, es gibt da schon ein paar Bands, die diese Art Musik machen, aber populär ist das Ganze nicht. Die Szene an sich ist eher ein Underground-Ding, auch deshalb, weil es einfach nicht genug Plätze gibt, an denen man auftreten kann. Aber ich glaube, dass es schon besser wird. Junge Leute fangen an, sich mit dieser Musikrichtung zu beschäftigen und in Zukunft wird es für eine Band wie Crowfish sicherlich besser aussehen.
SJM: In diesen Breitengraden werden zumeist amerikanische Hardcore- und Emobands gehört. Das ist kaum überschaubar. Wie siehst du eure Chance da als bulgarische Band? Schon Erfahrung damit gemacht?
Chavdar: Zum einen denke ich, dass es eine gute Sache ist, weil ein Haufen guter Bands in Deutschland spielt. Das ist für die Szene sicherlich gut, aber sicherlich geben die Leute so manch deutscher Band oder Bands aus anderen Teilen Europas keine ausreichende Chance. Das ist die Kehrseite der Medaille. Manchmal denke ich, dass es schwerer für uns ist, nur weil wir aus Bulgarien kommen, aber es ist auch eine gute Chance für uns. Denn wir können bei so starker ´Konkurrenz´ beweisen, dass wir eine gute Band sind.
SJM: Wie entstand der Kontakt mit den Leuten von Freecore Records und wie hat sich dieser Kontakt mit der Zeit entwickelt?
Chavdar: Eigentlich ist das eine ziemlich kurze Geschichte. Sie haben wohl irgendwie ein Tape mit unserer ersten Platte in die Hände bekommen und haben es direkt gemocht. Dann haben sie Kontakt zu uns aufgenommen und das Ende der Geschichte ist, dass wir bis jetzt 2 Platten auf diesem Label veröffentlicht haben. Wir sind verdammt froh, mit Freecore zusammen zu arbeiten. Unser Verhältnis ist nicht das typische Band-Label-Verhältnis, sondern wir sind mittlerweile gut befreundet.
SJM: Lass uns mal zu eurer Musik und euren Texten kommen. Auf der aktuellen Platte ´requiem for a broken heart´ geht es fast ausschließlich über das Verhältnis zwischen Mann und Frau: Erst geht die Liebe flöten, dann Bedauern und irgendwann kommt man darüber hinweg... Hört sich wie ein klassischer Kreislauf an. Ist es deiner?
Chavdar: Nein, das ist er nicht. Aber wir wollten, dass hinter dem Album schon ein Konzept steht und das haben wir auch geschafft, aber eine erzählte Geschichte ist das nicht. Man könnte sagen, dass die Texte ein Gefühl beschreiben, dass hinter einer solchen Story steht. Und das auf 8 verschiedenen Wegen. Manchmal kommt mir etwas in den Sinn und ich versuche das in Worte zu fassen. Ich hoffe, die Leute können dazu einen Bezug herstellen wenn sie sich die Platte anhören und die Texte dazu lesen.
SJM: Der Sound auf ´requiem for a broken heart´ hört sich sehr ´warm´ und ansprechend an. Und Musik vermag etwas sehr wichtiges zu schaffen: Atmosphäre. Wie entsteht ein Song bei Crowfish?
Chavdar: Die meisten Songs entstehen, wenn wir im Proberaum spielen. Einer fängt an, etwas zu spielen und die anderen spielen dann einfach das dazu, was ihnen einfällt. Bei einigen Songs geht das sehr schnell und so kann es passieren, dass ein Song schon mal in 10 Minuten fertig ist, bei anderen sieht das gänzlich anders aus und dauert schon eine Weile.
SJM: Wie würdest du eure Musik beschreiben?
Chavdar: Ich sehe das so als Mischform von Wave, Punk, progressivem Rock und Pop…ach, ich weiß es nicht. Das sollen die Leute für sich ausmachen.
SJM: Eines meiner Lieblingsstücke auf der Platte ist ´4 a.m.´. Sag mir, wenn ich falsch liege, aber als ich die Gitarren hörte, dachte ich sofort an U2. Hört sich wirklich an wie U2-Style? Beeinflussen U2 eure Band musikalisch oder ist das reiner Zufall?
Chavdar: Ja, das klingt schon nach U2. Hehe, bevor der Song einen Namen bekommen hat, haben wir ihn übergangsweise ´U2´ genannt. Ich glaube, keiner von uns ist ein riesiger U2 Fan. Eine tolle Band sind sie natürlich und wir mögen ihre Musik und vielleicht haben sie ihre Spuren bei uns hinterlassen...
SJM: Ganz allgemein: Was für Bands hört ihr euch so an und welche Einflüsse habt ihr? In diesen Tagen sehr wichtig: Stelle mal deine Top 5 des Jahres auf.
Chavdar: Ich mag eine Menge verschiedener Bands. Hier einige meiner Faves: Marillion, Genesis, David Bowie, Beatles, The Cure, Joy Division, Kate Bush, Peter Gabriel, Van Der Graf Generator, King Crimson, Fates Warning, Queensryche, Queen, Get Up Kids, Last Days Of April, Sonic Youth, All, Descendents, dazu eine Menge Jazz und viele mehr...
Meine Top 5 von 2003 sind:
1) David Bowie: "reality"
2) Travis: "12 memories"
3) Feeder: "comfort in sound"
4) Peter Gabriel: "up"
5) Last Days Of April: "ascend to the stars"
SJM: Alles in allem finde ich, dass sich Crowfish sehr amerikanisch anhören, aber noch sehr unique sind, was man über viele Bands nicht sagen kann. Was möchtet ihr mit eurer gerade erschienenen Platte erreichen?
Chavdar: Ich glaube das Wichtigste ist, dass Leute unsere Musik kennen lernen und hören. Ich hoffe, dass sie dieses Album mögen werden.
SJM: Ihr werdet ja im April diesen Jahres wieder in Deutschland auf Tour sein. Macht euch Touren Spaß oder muss es einfach nur sein, um eine Platte zu promoten?
Chavdar: Oh ja, wir freuen uns schon sehr auf Deutschland. Für uns ist es ganz wichtig, Livekonzerte zu spielen, denn die Konzerte sind sehr energiegeladen und wenn wir auf der Bühne stehen, geben wir einfach alles. Es ist also definitiv kein ´muss´ für uns, sondern eine sehr große Sache. Ich hoffe, die Menschen sehen und fühlen das und mögen unsere Konzerte.
SJM: Ihr kommt aus Varna. Wie kann man sich die Stadt vorstellen? Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Musik macht oder könnt ihr davon etwa schon leben?
Chavdar: Varna ist eine langweilige, kleine Stadt. Da gibt´s nicht viel drüber zu erzählen. Okay, wir leben am Meer. Das ist der Grund, warum Touristen sich hier aufhalten. Aber für mich ist das nichts Besonderes. Wir arbeiten nicht, sondern versuchen, von der Musik zu leben. Das ist schon sehr schwer. Lediglich George, der Bassmann, studiert zur Zeit. In meiner Freizeit schaue ich Football und treffe mich mit Freunden, spiele Computer oder schreibe Songs für das nächste Album.
SJM: In aller Kürze: Was können wir von Crowfish 2004 erwarten? Schon Pläne?
Chavdar: Wir werden mehr Konzerte spielen und unser Debüt hier zu Lande veröffentlichen. Dann werden wir an einem neuen Album arbeiten. Mal schauen, was die Zukunft so bringt...
SJM: Okay. Viel Erfolg dabei und danke für dieses Gespräch.
Chavdar: Danke dir und Gruß an eure Leser.
Und ich bin auch verdammt gespannt, wie weit es Crowfish hier zu Lande schaffen werden. Bei einem solch hervorragendem Album bleibt mir nur, dieser Band das Beste zu wünschen. Es sei nochmals auf ihr Album ´requiem for a broken heart´ hingewiesen. Hört es euch an und seid begeistert. Man sieht sich im April...
(Dennis Grenzel)
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