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Cobolt - 16.02.2004, Köln

Mit dem Album "spirit on parole" wurde ich vor einigen Jahren auf eine Band namens Cobolt aufmerksam. Das Album bot atmosphärischen Indiepop der ersten Güteklasse. Danach wurde es lange Zeit ruhig um die Band. Mit "passoa" erschien Jahre später vor einiger Zeit der Nachfolger. Cobolt spielten das erste Konzert ihrer ersten Tour durch Deutschland, welches gleichzeitig auch erst das zweite Konzert in diesen Landen war, in Köln. Da mich zumindest diese beiden CDs so beeindruckt haben, nahm ich dies zum Anlass, der Band, deren Mitglieder schon in sehr nahmhaften Bands mitgespielt haben, ein paar Fragen zu stellen. Sänger/Gitarrist Magnus Björklund und der zweite Gitarrist Johannes Berglund erklärten sich bereit, dieses Spielchen mit zu spielen.

SJM: Könnt ihr mir bitte sagen, wie ihr heißt und welche Rolle ihr in der Band Cobolt spielt.

Magnus: Ja, klar. Ich heiße Magnus, spiele Gitarre und singe in der Band.

Johannes: ...und du schreibst alle Songs.

Magnus: Ja, schon. Das kommt dazu.

Johannes: Und ich heiße Johannes und spiele Gitarre.

SJM: Was gibt´s Wichtiges über die Bandgeschichte zu sagen? Ihr habt ja vorher schon in ziemlich nahmhaften Bands gespielt. Wie verhält es sich damit?

Magnus: Ich denke, die Bands, in denen wir mal gespielt haben, haben sehr wenig mit der Musik zu tun, die wir mit Cobolt machen. Klar, wir haben in den verschiedensten Pop- und Hardcorebands gespielt und haben viele Stilrichtungen ausprobiert. Und Cobolt ist halt ein neues "Konzept".

Johannes: Wir haben schon immer diese softe und langsame Musik gemocht, hatten aber bis zu dem Zeitpunkt, als wir uns getroffen haben, nie die Chance, das richtig auszuleben. Ich glaube, die anderen Bands waren für uns eine sehr gute Möglichkeit herauszufinden, wo wir musikalisch hin wollen und wohin eben nicht.

Magnus: Ich habe eine eine Weile Hardcore gespielt und es war für eine ganze Weile auch okay und hat Spaß gemacht. Für mich ist Cobolt ein Weg, meine eigene Persönlichkeit in die Songs und die Musik mit einzubringen.

SJM: Was ist eigentlich nach "spirit on parole" passiert. Da war es ja lange Zeit ganz schön ruhig um die Band. Was spielte sich zwischen "spirit on parole" und "passoa" ab?

Magnus: Ja, das stimmt. Wir haben alle eine Menge Energie in "spirit on parole" investiert und nach der Veröffentlichung haben wir gemerkt, dass ein paar Dinge so langsam gut für die Band anliefen. Und dann kamen aber persönliche Sachen dazuwischen. 2 der Bandmitglieder sind wegen ihrer Arbeit weggezogen und die Band war quasi aufgelöst.

Johannes: Ja, für fast ein Jahr ´auf Eis gelegt´ könnte man sagen.

Magnus: Und dann haben wir aber wieder mit Smog eine kleinere Tour gespielt.

Johannes: "A few hours captured" ist zu dieser Zeit ja auch entstanden. Das haben wir da eingespielt, als wir in den Sommerferien unsere Eltern besucht haben. Also, gänzlich ´eingeschlafen´ ist die Band eigentlich nie. "Passoa" ist dann das Ergebnis aus 2 größeren Aufnahmessions geworden: eine Phase war Weihnachten, als wir das Schlagzeug, den Bass und ein paar Gitarren aufgenommen haben. Dann haben wir ein Jahr lang gewartet, um den Rest aufzunehmen, also den Gesang und noch weitere Gitarrenparts. Es hat insgesamt 2 Jahre gedauert, "passoa" fertig zu stellen. Allein aus logistischen Gründen...

SJM: Warum habt ihr in der Zwischenzeit das Label gewechselt? Ihr seid ja dann auf B Core Disc gelandet...

Magnus: Als die Band quasi auf Eis lag, konnten wir Birdnest keine Versprechungen machen, was nun passieren würde und wann nun das Nachfolgealbum erscheinen würde. Der Wille war zwar da, aber uns fehlten einfach die Voraussetzungen, da eine konkrete Aussage machen zu können. Und zu der Zeit waren B Core eh interessiert und bekundeten Interesse, unsere Sachen zu veröffentlichen, ohne dass wir in Zugzwang gerieten. Und das war zu der Zeit genau das Richtige für uns.

SJM: Was bedeutet eigentlich "passoa" genau?

Magnus: Passoa ist der "passion drink", ein Likör. Und der ist verdammt süß.

SJM: Als ich "passoa" das erste Mal gehört habe, kam es mir so vor, als wäre eure Musik auf das Nötigste reduziert worden. So viele elektronische Elemente wie noch auf "spirit on parole" waren da nicht mehr zu hören. Auch keine Streichersektionen mehr. Wie würdet ihr das und den Unterschied der beiden Platten beschreiben?

Johannes: "Spirit on parole" wurde zu einer Zeit aufgenommen, als wir viele verschiedene Dinge ausprobieren wollen, wie etwa Streicher und mehr Gesangsspuren und wir haben schlicht und ergreifend genug Geld vom Label bekommen, um diese Dinge zu verwirklichen. Wir haben das Album in 3 verschiedenen Studios aufgenommen und haben einen Monat lang hart gearbeitet und dann war das Album fertig. Und "passoa" war eigentlich eine ziemlich spontane Sache. Es war nie explizit geplant, eine Platte aufzunehmen, sondern alles hat sich so ergeben. "Let´s get together and make some music." "Passoa" würde ich hingegen als dynamischer bezeichnen.

Lasst uns mal kurz über eure Texte reden: Das scheinen Schnappschüsse einer bestimmten Stimmungslage zu sein, keine Geschichten. Was sagt ihr dazu? Wovon handeln sie im Allgemeinen?

Magnus: Mmh, die Texte handeln im Grunde genommen von Momenten im Leben, die du genossen hast oder auch dem Gegenteil. Das sind Sachen, an die man sich erinnert und mit denen man ein bestimmtes Gefühl verbindet. Auf "passoa" sind schon ein paar ´love songs´, die sich mit Beziehungen beschäftigen. Das ist so das Hauptthema. Halt Erfahrungen, die man im Leben macht.

SJM: Wie entsteht eigentlich so ein typischer Cobolt-Song? Im Proberaum?

Magnus: Das läuft meist so ab, dass ich zu Hause mit meiner Akustikgitarre spiele und eine Idee habe. Ich befinde mich in einer Stimmungslage und die gibt sozusagen den Ton an. Ich habe dann quasi die Idee zu einer bestimmten Melodie. Danach erst denke ich über die Texte nach. Und der Prozess kann schon mal lange dauern, etwa 2 Monate, bis ich denke, das ausgedrückt zu haben was ich auch wollte. Und natürlich bin ich nie zufrieden mit ihnen. (lacht) Ich schreibe manchmal eine ganze Menge, streiche hinterher aber vieles wieder.

Johannes: Seit einem Jahr sind wir wieder richtig aktiv. Wir haben schon Songs für eine neue EP aufgenommen und wollen die Sache mal wieder richtig ins Rollen bringen. Wir wollen wieder aktiver werden und mehr Energie in die Band stecken. Wenn man Musik macht und machen will, dann muss man live spielen, um sich mit der Band einen Namen zu machen.

SJM: Mir fällt es schwer zu sagen, von welchen Bands ihr musikalisch wohl beeinflusst werdet, da die Musik sehr eigen ist. Helft mir mal auf die Sprünge...

Magnus: Am Anfang war es so, dass wir schon sehr stark von den Bands beeinflusst wurden, die wir zu der Zeit gehört haben, wie etwa Codeine, Idaho oder Red House Painters. Ich halte sehr viel von diesen Bands und dachte, dass dies die Musik sei, die auch ich machen wollte. Es hat sich dann aber mehr und mehr so ergeben, das wir uns nicht mehr so an anderer Musik orientiert und versucht haben, unser ´eigenes Ding´ zu machen.

Johannes: Wir wollen auch niemanden imitieren. Es ist besser, das eigene Leben, den Alltag, als Mittelpunkt der Inspiration zu sehen. Das muss also gar nicht mal Musik sein. Wir haben uns an anderen Sachen orientiert, haben aber jetzt unsere eigene musikalische Vergangenheit, auf die wir uns beziehen können und anhand derer wir sagen können, was gut war und was wir in Zukunft besser machen könnten.

Mal eine entspannte Frage: Um den Jahreswechsel wird man ja immer gefragt, was für einen so DIE Platten des letzten Jahres gewesen sind. Was wären da eure?

Johannes: Bei mir ist das eine Menger an Musik aus Schweden. Da gibt´s eine Band namens Isolation Years. Ich weiß zwar nicht, ob das zählt, weil wir aus der gleichen Familie kommen, aber ich mag ihre Musik wirklich sehr, sehr gerne. Dann zwei weitere Bands aus Schweden: die eine heißt The Radio Dept., die andere The Knives, ein Duo, welches eher elektronische Musik macht. Und vielleicht noch Interpol. Ja, und natürlich noch Low. Die liebe ich.

Magnus: Ich habe in der letzten Zeit viel Johnny Cash gehört. Ich bin irgendwie nicht so der Musik Konsument an sich. Meistens mache ich selber Musik und denke darüber nach.

Johannes: Das trifft auch zu großen Teilen auf mich zu. Ich brauche schon mal eine längere Pause, um mich wieder auf neue Musik einlassen zu können. Und die nehme ich mir, denn ich liebe Musik und alles, was damit zusammenhängt.

SJM: Was werdet ihr nach der Tour machen? Habt ihr schon Pläne, wie es weitergehen soll?

Magnus: Ja, im Frühling werden wir noch mal alle zusammenkommen und noch weitere Songs aufnehmen. Wir haben bisher 6 fertig und haben Kontakt zu verschiedenen Labels aufgenommen, um mal zu sehen, wer diese rausbringen will. Wir sind aber noch gar nicht sicher, ob das eine EP werden soll oder ob wir noch mehr aufnehmen, um dann direkt ein ganzes Album rauszubringen. Dann werden wir wieder live spielen. Ich würde sehr gerne eine Tour durch Schweden machen. Ich hoffe, dass das klappen wird.

SJM: Das letzte Statement überlasse ich gerne der Band. Gibt es irgendwas, was ihr noch loswerden möchtet und gesagt haben wollt?

Johannes: Irgendwie klingt es wie ein Klischee, aber es ist wirklich so, dass ich es sehr mag, in Deutschland zu spielen. Das hat seine Gründe. Wenn ich das deutsche Publikum mit dem anderer Länder vergleiche, erscheint es mir, als wäre das deutsche Publikum weitaus offener für neue Musik. Sie müssen noch nicht einmal eine Band richtig kennen, aber können zur Musik ´abgehen´ und sich auf sie einlassen.

Magnus: Ja, ich denke, dass wir eine Band sind, die schwer einzuordnen ist und das macht manchen Leuten schon Probleme. Ist es nun Hardcore oder ist es Pop? Ich denke, die Leute werden genug abgespeist mit ´offensichtlicher, eingängiger´ Musik. Da herrscht, glaube ich, im Moment eine größere Offenheit anderer Musik gegenüber.

SJM: Das war´s auch eigentlich schon. Danke euch recht herzlich für dieses Gespräch und den netten Abend.

Magnus: Danke dir für dein Interesse.

Cobolt mögen in mancher Hinsicht eine etwas andere Einstellung zur Musik einnehmen wie viele amerikanische Bands. Die Musik ist sehr eigen, aber ebenso originell. Viele Zuschauer mögen nicht da gewesen sein, aber ich glaube, dass es wichtiger und umso besser ist, es mit einer Band zu tun zu haben, die wirklich fest daran glaubt und davon überzeugt ist, was sie macht. Und zu der Sorte Bands gehören Cobolt. Die Jungs sind halt eben keine Phrasendrescher wie andere, sondern wirken eher schüchtern. Ich finde, dass die Musik Cobolts gänzlich unterbewertet ist oder dass viele Leute die Musik trotz des langen Bandbestehens noch nicht kennen. Das sollte sich ändern. Die Musik dieser Band ist auch keineswegs auf Massen zugeschnitten, sondern ist eine ganz persönliche Sache. Eine ganz hervorragende Sache.

(Dennis Grenzel)