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Beatsteaks - 02.02.2004
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Das neue Album der Beatsteaks steht ins Haus. Das vierte Werk "Smack Smash" wird zugleich das Major-Debut der Berliner. Grund genug, um schonmal Peter (Gitarre) und Thomas (Schlagzeug) einiges zu den neuen Songs, neuen Arbeitgebern und so manch anderem zu entlocken.
SJM: Erzählt doch mal, was sich in den letzten 2 Jahren seit der letzten Platte "moving targets" so bei Euch getan hat.
Thomas: Wir waren viel auf Tour. Abschluss war das Wohnzimmerkonzert in der Columbiahalle, bei dem wir die Wohnzimmer EP aufgenommen haben. Bei der Gelegenheit haben wir Moses Schneider kennengelernt, der die EP produziert hat und der uns damals auch so ein bisschen auf das live-Einspielen gebracht hat. Und weil wir uns mit ihm so gut verstanden haben, haben wir beschlossen, dass wir mit ihm die neue Platte machen. Mit der Wahl des Produzenten stand dann eigentlich auch schon fest, wie wir sie machen würden, bzw. wie wir aufnehmen würden, nämlich live.
Peter: Ja genau so war's. Wir waren viel unterwegs die ganze Zeit.
SJM: Wann habt ihr angefangen die neue Platte aufzunehmen ?
Peter: Vor 9 Monaten. Hat genau 9 Monate gedauert. So`n Zufall (lacht).
Thomas: Wobei die Aufnahmen recht kurz gingen. Es waren 3 Wochen aufnehmen, eine Woche singen, 5 Tage mischen. Aber vor 9 Monaten haben wir angefangen Stücke zu schreiben.
SJM: Wie ist es zu dem Deal mit WEA gekommen?
Peter: Die haben uns schon länger "beobachtet"... Schließlich haben wir dann alle Hintermänner kennengelernt, die in diesem Komplott mit drin hingen.
Thomas: Alles ganz üble Typen.
Peter: Wie man sich so Haie vorstellt. Grau. Ganz graue Haut ham die alle.
Thomas: Ganz lange Zähne zum Teil.
Peter: Na und wir so: die sind ja sympathisch, die sehen ja aus wie wir.
Dann haben die natürlich mit Engelszungen auf uns eingeredet.
Thomas: war alles gelogen.
Peter: Und da unsere Seelen ja eh schon tot waren, dachten wir: jetzt richtig.
SJM: Könnt Ihr denn von der Musik leben mittlerweile ?
Peter: Wir können überleben, ja.
SJM: Meint Ihr es wir besser mit einem großen Label im Rücken?
Peter: Geldmässig denken wir schon gar nicht mehr, das haben wir uns schon abgewöhnt, da wird man sonst nur enttäuscht. Wir denken aber dass es insofern etwas bringen wird, dass die Musik weiter rausgetragen wird, dass sie in mehr Läden steht als vorher und dass wir vielleicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit kriegen. Und was auch cool ist ist, dass es viel leichter ist, irgendwelche Extras zu einer Platte rauszubringen, die man sich ausspinnt.
SJM: Wie zum beispiel eine BonusDVD die es zu der Platte geben wird. Was wird da drauf sein?
Thomas: 30 oder 40 Minuten Making Of aus dem Studio das Armin mit seiner Kamera gefilmt hat, dann ein Video von dem Typen, der das Cover gemacht hat. Der hat dafür eine Modellbaustadt gebaut, die hieß übrigens "smack smash" und in dem Ding hat er mit Minikameras ein Video gedreht.
SJM: Wird das auch das erste Video?
Thomas: Nein. Das gibts zur Single "hand in hand", das haben wir mit Daniel Harder gemacht, der die Seeed Videos gedreht hat.
SJM: Wie macht sich die neue Situation mit WEA denn sonst für Euch bemerkbar?
Thomas: WEA ist ja nur für Deutschland zuständig, im Rest der Welt ist ja immer noch Epitaph im Boot. Aber was echt auffällt ist, dass die Kommunikation mit einer Firma in Hamburg viel einfacher ist, als mit einer in den Niederlanden (Epitaph). Schon wegen der Sprache, auch wenn man Englisch kann, kann es da immer zu Missverständnissen kommen oder die arbeiten mit anderen Computerprogrammen, etc...
SJM: Bei der Produktion hat Euch aber keiner reingeredet?
Peter: Ne, die kamen mal zum hören und haben gesagt, alles super.
Thomas: Ich hab alles gemacht ! Songs geschrieben, alles gemacht ! (lacht)
SJM: Die neue Platte ist in 4 verschiedenen Studios entstanden. Warum seid Ihr so rumgetingelt?
Peter: Das war die Idee von Moses Schneider (Produzent). Erstens weil wir gucken wollten, welcher Raum klanglich am besten zu welchem Lied passt, und zweitens weil wir nicht erst einen Studiokoller kriegen wollten und keine Routine aufkommen lassen. So wussten wir, dass es immer nur ein kurzes Gastspiel wird und wir alles geben mussten. Das hat sich sehr positiv ausgewirkt.
SJM: Habt ihr dann alles viermal komplett aufgenommen?
Peter: Ne, wir haben schon vorher ausgewählt.
Thomas: Wir haben im ersten Studio alle Stücke komplett eingespielt um zu sehen wo wir stehen und dann hat sich schnell rauskristallisiert, ob es schon der Klang war, den wir haben wollten, oder ob wir dachten das könnte einen größeren Raum vertragen. Und dann blieben halt immer weniger übrig.
SJM: War das Spassig?
Peter: Ja, war die beste Produktion die wir bisher hatten. Natürlich wars auch anstrengend, aber es war auch so relaxed wie aufnehmen wahrscheinlich nur sein kann. Wir sind ja relativ unorthodoxe Wege gegangen. Uns war klar, dass es auch Grenzen gibt, bei dieser Art von Aufnahme, aber wir wollten halt dass es so klingt, wie eine Band live spielt. Und dafür hatten wir sehr gute Leute dabei. Moses, aber auch die Leute die editiert haben.
Thomas: Dadurch war die Prodution im Vofeld langwieriger, weil alles zusammen geprobt sein musste. Aber man konnte auch dirket gegenhören und wusste wie es am Ende klingt, das hat es auch vereinfacht.
SJM: Die Platte klingt ja auch sehr dreckig. Ist das der Sound den Ihr erreichen wolltet?
Peter: Ja, uns ging es darum, immer für die mitreissendste Version zu gehen, egal ob da mal eine Note verkackt ist. Und das haben wir gut geschafft, denke ich.
SJM: Die Songs klingen auch wieder ganz anders als der Vorgänger. Bewusste
Entscheidung oder natürliche Entwickling?
Peter: Wir haben uns wieder hingesetzt und wollten die besten Song schreiben die gerade in uns stecken und das klingt jetzt 2004 eben so. Anders.
SJM: Was waren die Inspirationen? zB Eure eigenen Lieblingsplatten im Moment?
Peter: Wenn man das gefragt wird, dann fallen einem ja immer nur so kurzfristige Sachen ein. Aber die Einflüsse sind ja immer über das ganze Jahr verteilt. Nicht nur Platten die man hört sondern auch Liveauftritte mit anderen Bands. Es gibt ja nicht die bewusste Entscheidung ein Stück zu schreiben das so klingt wie irgendwas, sondern das geile ist ja, dass die Musik aus einem raus kommt und später stellt man fest, das klingt ja ein bisschen wie dies und das.
SJM: Ich hatte viele Assoziationen zu der Platte: Alkaline Trio, Misfits, die Strokes, Clash. Bei dem Stück "whats coming over you" sind mir sogar Aerosmith eingefallen.
Beide: Haha. Das würde ich gern mal von Steven Tyler gesungen hören. Sonst ja ganz gut Referenten. Danke.
SJM: Was waren denn so Eure Favorites in diesem Jahr?
Peter: Ich bin total auf Clash abgegangen. Ich hab im Urlaub die Best Of gehört, was man als richtiger Fan wahrscheinlich nicht macht, aber ich fand geil, dass die immer unterschiedliche Sachen machen. Man hört diese Detail- und Musikverliebtheit raus. Und ausserdem sind das Persönlichkeiten, vor denen man einfach Respekt haben muss.
Thomas: Aber wenn man unsere Lieblingsplatten durchgeht, sind da bei jedem verschiedene Sacehn, die auch gar nichts mit Punkrock zu tun haben. Beginner, Joy Division, Seed, neue Outkast, Queens of the Stone Age.
Peter: Es ist immer ein Mix aus dem was man gerne hört und was Spass macht zu spielen.
SJM: Was sind die größten Veränderungen auf der neuen Platte?
Thomas: Nicht ganz so rockig. Letzte war rockiger. Das ganze "Flammending" geht uns halt schon ein wenig auf die Nerven. Die (zeigt auf meinen Rancid-Pulli) haben wir auch oft gehört, die Platte.
Peter: Ja, wow, wenn die das live nur halb so gut umsetzen würden, dann hätte ich ne neue Lieblingsband.
SJM: Fandet Ihr die Liveshow von Rancid hier in Berlin nicht so gut?
Michael: Naja, ich find die Platte so geil und live war ich echt enttäuscht. Dem Armstrong dem schien alles egal. Frederiksen brüllt sich die Seele aus dem Leib und man glaubt ihm jedes Wort...
Thomas: Und die Stimme von Armstrong berührt auf der Platte auch so, aber wenn der live nicht den Mund aufmacht, ist das echt schade, denn die macht viel aus.
SJM: Mein Liebglingssong auf Eurem neuen Album ist bisher "atomic love". Wie seid ihr auf diese simple und geniale Melodie gekommen?
Peter: In 5 Minuten sind wir darauf gekommen. Was Du da hörst ist eingetlich ein Demo, das erst ganz anders klang. Nach dem 20 ten mal haben wir das Schlagzeug umgestellt. Dann haben wir die HighHat weggelassen und ich hab mir diese Gitarrenmelodie ausgedacht...
Thomas: ... und auf einmal haben wir gemerkt, da geht einiges. Und dann Woooo.
Peter: ... und dann war es nur so jetzt Du und jetzt Du und Bernd meinte dann mit dem Keyboard: Ok, ich mach jetzt auch mit krach. Und auf einmal war alles so. Und dann haben wir gesagt, Hey, das lassen wir so. Und dann haben wir den ganzen Text umgeschmissen.
SJM: Klingt schon noch ganz anders als der Rest des Albums.
Thomas: Ja, das hat den Song auch erst so richtig interessant gemacht für uns.
SJM: Was sind denn Eure Lieblingssongs auf der Platte?
Peter: Schwer, weil wir wesentlich mehr Songs ins Studio gegangen sind und die 12 auf der Platte sind schon die besten. Für mich ist deshalb kein Ausfall dabei und ein Lieblingssong ist auch schwer zu küren. Wahrscheinlich "Hand in Hand" und "I don`t care". Aber den nenne ich nie zuerst weil der so anders ist, als das was wir sonst machen. Aber eigenlich bin ich auf den am stozlesten. Für mich hat der so ein bisschen was sublime-iges und klingt wie so`n Clublied. Da ist so wenig dabei und ich finde es cool dass wir mit so wenig sowas machen können. Und es ist immer noch eine Band ist, die das spielt, nicht einer der sich das nachts allein am Computer ausgedacht hat.
SJM: Ihr schreibt also alles zusammen ?
Peter: Ja, jeder bringt Sachen mit ...
Thomas: Es kann erst ein Beatsteaks Song werden, wenn jeder seinen Input reingebracht hat, anders gehts nicht.
SJM: Wie ist denn die Akzeptanz im Ausland für Euch?
Peter: Gut, war immer gut, natürlich nicht so wie hier, aber dadurch dass unsere Texte in Englisch sind haben wir eben auch die Möglichkeit im Ausland zu spielen und das lassen wir uns nicht nehmen. Und das ist uns auch ein Anliegen, unsere Musik so weit wie möglich "in die Welt hinaus zu tragen".
Thomas: Als wir das letzte Mal in London gespielt haben hatten wir 350 Leute. In den USA kann man das schlecht messen, weil wir nur die Warped Tour gespielt haben und als wir dann am Ende auf der großen Bühne spielten hatte ich den Eindruck es könnte auch in Deutschland sein. Die Reaktionen waren dort genauso.
Peter: Das Land ist halt zu groß und es ist zu weit, sonst würden wir da auch gern spielen. Aber wir können hier mehr erreichen. Dort ist das ganze sehr viel schnellebiger und wir sind halt da nicht so verfügbar. Wenn die Platte raus kommt und du tourst dort nicht innerhalb der nächsten Wochen, ist es auch schnell wieder vergessen. In Europa geht das für uns. Aber deshalb steht Amerika so ein bisschen hinten an.
SJM: Wie war Euer Auftritt auf dem Donnington festival?
Thomas: Großartig! Das hat man früher im Fernsehen gesehen und auf einmal steht man da. Und nach uns haben Metallica gespielt.
Peter: Ne, vor uns. Das war das beste.
Thomas: Die haben einen Secret Gig gemacht für die neue Platte und wir mussten in den riesen Boxen von Metallica unsere Sachen aufbauen.
SJM: War das Eure größte Show?
Thomas: Ne, das war beim Bizarre, als wir auf die Ärtzebühne aufgesprungen sind. Da haben die gesagt, wir sollen mit ihnen zusammen den Song spielen den wir von der Bullenstaat-LP gecovert haben. Und da waren glaub ich 33 000 Leute.
Peter: Was fürn Trip. Da muss man immer irgendwo anders hingucken weil man sonst durchdreht.
SJM: Merkt Ihr von der Witschaftsflaute, dass die Leute weniger Platten kaufen oder zu Konzerten gehen?
Peter: Ne, das kriegen wir immer nur indirekt mit. Da wir nie ne Band waren, die viel Geld verdient hat mit Plattenverkäufen trifft uns das auch nicht, uns wird halt nichts weggenommen. Natürlich wenn man fragt wer das Geld gibt, dann hört man schon sowas aber es fühlt sich auch nicht so an, als dass durch Brennerei oder so uns irgendwas abhanden kommt.
Thomas: Wir sind ja auch ne Band die mit der Brennerei groß geworden ist, die Zeiten davor kennt man ja nicht wirklich.
Peter: Es wird auf jeden Fall ein Kopierschutz auf der Platte sein, es würde auch ein bisschen weit gehen, wenn wir sagen würden, das wollen wir nicht. Das wäre der Plattenfirma auch schwer verständlich zu machen, denn letztlich geben die ja doch immer noch das Geld, das darf man nicht vergessen. Und da es unsere Musik bisher überhaupt nicht beeinflusst hat, ist das für uns auch ok. Wir kaufen uns zum einen ja auch Platten und zum andern, wer das Ding gebrannt haben will, der wir es doch sowieso kriegen.
SJM: Was haltet Ihr von filesharing?
Peter: Naja, gibt's ohnehin, kann man nichts machen und einen Aufruf dagegen zu starten wäre lächerlich .
Thomas: Ist schön dass Musik frei zugänglich ist für alle, schade dass die Künstler nix davon kriegen.
SJM: Meint Ihr nicht, dass es auch Promotion ist, wenn die Musik zugänglich ist?
Thomas: Klar in gewissem Maße ist es Promotion, vor allem für die Livekonzerte. Das ist glaube ich etwas worauf sich alle Bands einstellen müssen, dass ohne Konzerte nichts mehr geht. Deswegen ist es auch relativ reizlos, einen Sommerhit zu haben aber kein Stammpublikum vor dem man live auftreten kann. Bands die sich ihre Fanbasis erspielt haben, und zu denen zählen wir uns auch, werden es sicher leichter haben zu überleben.
Peter: Es ist ja im Prinzip schön dass die Musik für jeden erreichbar wird. Ich würde es mit Sicherheit positiver sehen, wenn unsere Platte nicht in jedem Laden stünde. Für kleinere Band ist das sicher eine Chance. Aber wenn man von der Musik leben muss, geht auf jeden Fall was weg.
Thomas: Der CD Markt ist auch einfach zu teuer, deswegen brennen so viele Leute.
SJM: Was steht jetzt in nächster Zeit an?
Peter: Jetzt sind wir endlich fertig. Und können spielen !
Na, dabei wünschen wir natürlich viel Erfolg und allen Fans viel Spass auf den Shows und mit dem neuen Album. Das erscheint übrigens am 1.3.2004 bei der WEA. Die Vinylversion gibts ab dem 1.4. über Epitaph.
(Stefan Kersten)
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