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A Traitor Like Judas - 11.03.2004

A Traitor like Judas sind hoffnungsvolle Metalcore-Brachialrock-Newcomer aus unseren Breiten, die mit "too desperate to breathe in" eine heftige Breitseite vorgelegt haben. Das war Grund genug, nachzuhören, was sonst so vor sich geht im ATLJ-Lager, ob man zufrieden ist mit der Scheibe und um einige andere erhellende Antworten zu bekommen. Here we go.

Sweet Jane Music: Würdest du dich bitte mal kurz vorstellen und sagen, welche Aufgabe du in der Band übernimmst.

Philipp: Hallo. Mein Name ist Philipp und ich spiele Schlagzeug bei A Traitor Like Judas.

SJM: Gib doch mal einen kurzen Überblick über die Biographie der Band.

Philipp:Wir haben Anfang 2000 angefangen, zusammen Musik zu machen. Dennis "Dan" (Gitarre) und Jan (Bass) hatten schon eine Band zusammen. Außerdem spielte Dan auch mit Björn (Gesang) schon in einer Band. Ich kam noch hinzu und schon war, damals noch "Parker Frisbee", geboren. Nach einigen Auswechselungen an der 2. Gitarre und jede menge Shows später schloss sich dann noch Christoph der Truppe an und somit sollte ATLJ vollständig sein.


SJM: Auf Eurer Webseite bezeichnet Ihr Euch liebevoll als "german moshheroes". Wenn für kurze Zeit das Schubladendenken erlaubt wäre, wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben? Was sind Eure Einflüsse, wie seht Ihr das Verhältnis zwischen Hardcore und (Death-)Metal? Wer kommt zu Euren Shows? Zu welchem Lager fühlt Ihr Euch zugehörig?

Philipp: Wir versuchen, guten Metalcore zu machen. Bei den Einflüssen verschiebt sich das immer etwas. Anfangs haben wir uns schon an den deutschen Metalcore-Größen orientiert, versuchen und versuchten aber uns stets ein wenig abzuheben, was den Stil betrifft. Bei dem neueren Songmaterial lassen wir uns auch von "richtigen" Metalbands inspirieren. lassen aber auch andere Stile einfließen. Wir sehen uns als Hardcoreband da wir Hardcoremusik machen, unsere Konzerte meist von diesem Publikum besucht werden und wir unserer Meinung nach das Lager noch nicht verlassen haben. ATLJ spielt aber natürlich auch sehr gerne "Metalshows". Wir haben tolle Erfahrung mit Metal-Leuten gemacht.


SJM: Gibt es Hardcore-Vorbilder, die Ihr verehrt und auch welche aus dem Death-Metal-Lager? Was seht Ihr als Eure Einflüsse, welche anderen aktiven Bands werden von Euch geschätzt?

Philipp: Mit den Vorbildern ist das so eine Sache. Denn wie überall sind natürlich auch bei uns die Geschmäcker verschieden. Bei uns wird nur zur Hälfte Death-Metal gehört, der Rest hört lieber Metalcore und Hardcore. Ich finde das man dies auch an unseren Liedern hören kann, da ein Gitarrist mehr aus dem Metal-Lager und einer aus dem Hardcore-Lager kommt. Wir freuen uns zur zeit auf die neuen Releases von Destiny, HSB und schätzen eigentlich jeden, der seinen Arsch hochkriegt und bisschen Musik macht.


SJM: Wie sieht es aus mit "Too desperate to breathe in". Seid Ihr zufrieden mit den Songs, der Aufnahme und der ganzen Scheibe. Für meine Begriffe eine Debüt full length, auf die man durchaus stolz sein darf.Ich nehme an, Ihr seht das genauso?


Philipp: Wir hatten uns die CD ein bisschen anders vorgestellt, sind im Endeffekt aber schon stolz drauf. Der Sound könnte besser sein.


SJM:Die Platte heisst "Too desperate to breathe in", es gibt Zeilen wie "I found god in you/love/but you told me he is dead/you raised me to heaven but it is empty like your heart...".Mal im Ernst, das klingt besorgniserregend. Wer ist verantwortlich für die Lyrics und woher kommtdiese verzweifelte Stimmung? Gibt es noch Hoffnung? Was bedeutet Verrat für Euch? Was haltet Ihr von Splatter-Lyrics, wie sie im Deathmetal nicht unüblich ist?



Philipp: Die Lyrics schreibt bei uns ausschließlich Björn, von daher kann ich nicht soviel darüber sagen. Es handelt sich aber meistens um Gefühle und Empfindungen, die in unserem Sänger aufkommen und er festhalten will. Ich denke, dass er das sagen und aufschreiben will, was viele von uns mit sich rumschleppen und einfach nicht rausbekommen. So geht es mir jedenfalls dabei. Auf jeden fall gibt es noch Hoffung!


SJM: Im April geht es wieder auf Tour, glaube ich. Wie wichtig sind Euch die Shows, welcher Teil der Band ist in Eurem Leben der bedeutsamere, Studio oder Bühne?

Philipp: Für uns alle sind es natürlich die Shows. Es ist einfach der größte Traum von uns, wenn das Publikum abgeht und uns somit belohnt. Wir freuen uns enorm, wenn wir in einen Ort kommen, von dem wir nie zuvor etwas gehört haben und auch nur einer den Traitor-Text kennt oder sich Leute freuen, dass wir mal vorbeischauen.


SJM:Ich musste übrigens heftig an Euch denken, als ich von der Fernsehsendung The Judas Game gehört habe. Natürlich nur wegen des Namens, ansonsten ist die Show grenzdebil ;-) Wie stehen ATLJ zu den aktuellen Strömungen in der Unterhaltungsbranche? Ist DSDS & Co. der Untergang des Abendlandes oder spricht in einem halben Jahr kein Mensch mehr davon?

Philipp: Mit so einem Scheiß beschäftigen wir uns nicht! Jeder, sich mit diesem Thema auseinandersetzt, ist selber Schuld. Und das war schon zu viel Beachtung für diese Leute.


SJM: Wie kommt eine Band wie ATLJ in Zeiten wie diesen über die Runden? Ist das Mosh-Business krisenfest oder brennen sich die Leute alles und geben keinen Pfennig mehr für extreme Töne aus? Seht Ihr Euch als politische Band?

Philipp: Gerade in der Hardcoreszene geht es sehr fair zur Sache. Viele Leute, die sich mal 'nen Song runterladen, kaufen sich auch später bei Gelegenheit die CD. Eine Kostprobe ist durchaus erlaubt. Wir sehen uns nicht als politische Band. Wir haben natürlich unsere politischen Ansichten, drücken diese aber nicht über unsere Musik aus.


SJM: Wie steht Ihr zum Internet und seinen Auswüchsen? Brennen und downloaden oder Verbot und Kopierschutz?

Philipp: Gerade in unserer Liga ist das nicht das Schlechteste, da viele Leute einfach nicht das Geld für eine CD (besonders in den ärmeren Ländern) haben, ist es meist ein Vorteil, dass sich Kids die Songs runterladen , sowie sich Infos über unsere Homepage (www.a-traitor-like-judas.com) holen können. Umso mehr Menschen haben die Chance, sich den geilen Traitor-Scheiß anzuhören.


SJM: Ok, ein paar Standards: welche Platten laufen zurzeit bei Dir auf Heavy Rotation, auf welchekommenden freust Du Dich im Moment am meisten? Wie sind die Geschmäcker innerhalb der Band verteilt?

Philipp: Wie schon gesagt. die eine Hälfte mag mehr Metalcore, die andere Metalbrett. Bei mir läuft gerade die neue Shortage, Bleeding Through und Arch Enemy. Wie Du siehst, sehr vielseitiger Geschmack.


SJM: Das letzte Wort bleibt Dir überlassen: ein Gruß an die Leser oder was auch immer Dir auf der Seele brennt.

Philipp: Danke für das Interview und natürlich Gruß an alle, die uns kennen und an die, die uns nicht kennen: schaut mal bei der nächsten Show vorbei! Tschüss, ATLJ.

Ehrliche Ansichten von ehrlichen Jungs. Wer diese Art von Musik mag, sollte mal hier das Review lesen und ein Ohr riskieren.
(Elmar)